
Freudestrahlend trat ich durch die gläserne Drehtür und hüpfte auf den überfüllten Bürgersteig. Dort drehte ich mich einmal um mich selbst und drückte dabei meine riesige Designermappe mit meinen Entwürfen fest an die Brust.
Mein lautes „Yeah“ ließ einige Passanten überrascht zusammenzucken und ihre Köpfe zu mir drehen, was mich aber nicht weiter störte. Ich strahlte sie alle an. Heute war eindeutig mein Tag. Endlich... es hatte geklappt!
Kurz ließ ich das Gespräch der letzten Stunde Revue passieren. Mein ganzer Körper fing an zu vibrieren. Ich hatte einen neuen Job… ohhhhhhhh... und mit etwas Glück durfte ich auch meine eigene kleine Kollektion mit einbringen. Dieser Chefdesigner von `TheRock´ war sehr angetan von meinen Entwürfen, seine Augen hatten anerkennend aufgeleuchtet als er sie genauer angeschaut hatte. Ahhhh ...
Oh man, das pure Adrenalin rauschte durch meine Adern, ich war total aufgekratzt. Jetzt brauchte ich erstmal einen Kaffee. Suchend schaute ich mich nach meinem Lieblingscafé um und entdeckte das nächste Starbucks zwei Blocks weiter. Was hatte ich heute für ein Glück! Ich erkannte das Logo sofort und fing an, mich durch die Menge zu schlängeln.
Da erhaschte ich aus dem Augenwinkel in einer Nebenstraße ein großes antikes Schild. Abrupt blieb ich stehen und sah es mir genauer an. Irgendetwas schien mir der Name 'Tree Brothers' zu sagen... Arr... natürlich, das war doch die Firma, die Edward Cullen gehörte!
Ohne groß weiter nachzudenken, lief ich auf das rote Backsteingebäude zu. Je näher ich kam, desto lauter wurden die Geräusche, die aus dem Haus zu kommen schienen. Neugierig blieb ich kurz stehen.
Da fiel mir ein, dass Bella ja heute ihren Termin hier hatte.
Vielleicht könnte sie ja kurz Pause machen und wir würden zusammen Kaffee trinken gehen. Oh ja, dann könnte ich ihr auch gleich alles erzählen!
Vor Freude strahlend trat ich durch die Tür und blieb mit geöffnetem Mund staunend stehen. Die hatten wirklich das halbe Gebäude umgebaut und eine Werkstatthalle daraus gemacht! Genial! Jetzt erklärten sich auch die Geräusche, die ich draußen wahrgenommen hatte. Aufgeregt hüpfte ich vor der gläsernen Hallentür auf und ab, um alles genau beobachten zu können. Wow...
Hinter mir erklang eine freundliche Stimme. „Hallo Miss, kann ich Ihnen irgendwie helfen?“ Ich drehte mich um und schaute in das hübsche Gesicht der Empfangsdame.
„Oh ja, ich wollte gerne zu Isabella Swan.“ Dabei suchte mein Blick die Eingangshalle ab, um zu sehen, wo es zu den Büroräumen ging. Ah... die Treppe hinauf...
„Ich schaue gerade mal nach, wo sie ist. Wen darf ich melden?“
Abwartend musterte sie mich.
„Ich bin eine Freundin... ach warten Sie, ich glaube, ich finde sie auch so.“ Und schon steuerte ich springend die Treppe an. Und kümmerte mich um ihre Rufe nicht weiter. Ich war gedanklich wieder bei meinem Bewerbungsgespräch und ich wurde ganz kribbelig.
Ich nahm immer zwei Stufen auf einmal und war sehr überrascht, als wie aus dem Nichts urplötzlich eine Männerbrust direkt vor mir auftauchte. Schnell griffen zwei starke Arme nach mir und hielten mich fest. Auch ich klammerte mich halt suchend in sein Hemd, denn ich wäre fast rückwärts die Treppe runtergepurzelt. Vor Schreck blieb mir beinahe das Herz stehen, nur um dann umso schneller zu schlagen.
Absolute Stille umfing mich. Ich hatte das Gefühl, als ob die Zeit stehen blieb. Ich starrte diese Männerbrust vor mir an und überlegte, wie sie so schnell hierher gekommen war. Spontan beugte ich mich vor und atmete den schönsten Duft ein, den ich bis jetzt in meinem Leben gerochen hatte. Oh man... der roch ja vielleicht gut...
Wie in Trance hob ich meinen Kopf und keuchte vor Überraschung leise auf. Ich blickte in die faszinierendsten blauen Augen, die es nur geben konnte. Genau diese Augen verfolgten mich fast jede Nacht in meinen schönen Träumen. Ich hatte das Gefühl, in eine alte, mir bekannte Seele zu blicken. Wow... wer war dieser Mann...?
Sein Haar war etwas länger, vereinzelte Ponyfransen fielen ihm ins Gesicht. Und... hmmm, er schaute mich gerade nicht sehr freundlich an.
Sein Mund war zu einer harten Linie zusammengepresst und seine blauen Augen durchbohrten mich.
Er strahlte eine Stärke und Entschlossenheit aus, die mir sehr gefiel.
Ich hatte immer noch sehr gute Laune und spontan, ohne irgendwie darüber nachzudenken, lachte ich ihn an, stellte mich ganz auf meine Zehenspitzen und küsste ihn schallend mitten auf dem Mund. Nur mit seiner Reaktion hatte ich nicht gerechnet.
Blitzschnell zog er mich fest in seine Arme, drückte meinen Körper ganz nah an sich und erwiderte meinen Kuss... und wie...
Augenblicklich entwich mir ein kleiner Seufzer, ich schmolz in seinen Armen dahin. Oh man, er konnte wirklich gut küssen...
Als ich meinen Mund unter seinem fordernden Druck leicht öffnete und unsere Zungen sich berührten, konnte ich ein Stöhnen nicht mehr unterdrücken, mein Verlangen floss wie flüssige Lava durch meinen zarten Körper.
Uns traf die Erkenntnis darüber, was wir hier gerade taten, fast gleichzeitig und so fuhren wir erschrocken auseinander. Plötzlich überrollten mich die Umgebungsgeräusche und ich nahm meine Umwelt wieder ganz klar war, auch die Zeit lief wieder normal.
Ich schaute in sein überraschtes Gesicht und schlug mir vor Verlegenheit die Hand vor den Mund. Aber dann konnte ich ein hysterisches Kichern nicht mehr unterdrücken. Mein erster klarer Gedanke war: Flucht!
Schnell lief ich an ihm vorbei weiter die Treppe hinauf, bevor er auch nur reagieren konnte. Ich hörte ihn hinter mir leise fluchen und schon beschleunigte ich meine Schritte.
Oben an der Treppe erwartete mich ein frech grinsender Emmett, der uns wohl beobachtet hatte. Ohne dass ich ihn fragen musste, zeigte er auf eine Bürotür am Ende des Flures und schon war ich an ihm vorbei. Aber nicht ohne ihm ein dankendes Lächeln zu schenken.
Im Augenwinkel meinte ich noch zu erkennen, dass Emmett sich meinem Verfolger leicht in den Weg stellte, sicher war ich mir aber nicht. Mein Herz klopfte wie wild und meine Gedanken rasten durcheinander. Was für ein verrückter Tag...
Ich erreichte die Bürotür und sah meine beste Freundin vertieft in Büchern, die verstreut über ihren Schreibtisch lagen. Ich quietschte ein „Bellaaaa!“ und hüpfte, froh sie zu sehen, auf sie zu. Dabei bemerkte ich ihr erschrockenes Gesicht.
Oh... Vielleicht war es doch keine so gute Idee, sie so spontan zu überfallen…
Hinter uns erklangen laute Rufe. Ahnend, was gleich geschehen würde, drehte ich mich um und mein leicht irritierter Kusspartner tauchte schwer atmend in der Tür auf. Dort blieb er stehen, schaute mich durchdringend an, seine Lippen wieder fest aufeinander gepresst.
Oh ja, er war sehr wütend. Ich konnte sogar sehen, wie er seine Zähne zusammen biss, denn seine Wangenknochen bewegten sich unaufhörlich. Er sah gerade sehr bedrohlich aus und wirkte auf mich wie ein Krieger aus uralten Zeiten.
Und doch fühlte ich diese starke Anziehungskraft von ihm ausgehen...
„Hallo Alice, wo kommst du denn jetzt her?“ Bella stand auf und ging verwundert auf mich zu, um mich gleich in die Arme zu nehmen. Dann rückte sie etwas ab und schaute mir fest in die Augen, da sie merkte, wie ich am ganzen Körper vor Aufregung zitterte.
„Sie kennen also diese... Dame?“ Ohne mich aus den Augen zu lassen, trat er langsam näher.
„Oh, entschuldigen Sie bitte.“ Bella löste sich aus unserer Umarmung „Darf ich bekannt machen... Jasper Whitlock, dies ist meine Freundin Alice Brandon, Alice, das ist Jasper Whitlock, ein Freund und Geschäftspartner von Edward“, stellte Bella uns vor.
Ah, das war also Jasper... Fasziniert schaute ich zu, wie er ganz dicht vor mir stehen blieb. Er war gut einen Kopf größer als ich und so legte ich meinen Kopf leicht in den Nacken. Fest schaute ich ihm in die Augen und hielt seinem forschenden Blick stand.
Ich musste mich stark zusammenreißen um so stillzustehen, denn bei seinem imposanten Anblick wurden mir meine Knie ganz weich. Seine Augen wanderten zu meinem Mund, verweilten dort kurz und ich konnte ein kleines Zucken in seinem rechten Mundwinkel ausmachen. Auch ich musste bei der Erinnerung an unseren Kuss innerlich lachen.
Als seine Augen wieder meine trafen, wurde sein Blick weicher und ein spontanes Glücksgefühl wallte in mir auf. „Hallo Alice, schön dich kennenzulernen“, sprach er mich mit einer leisen rauchigen Stimme an, die merkwürdige Gefühle in mir auslöste.
„Hallo Jasper, die Freude ist ganz meinerseits und danke für die ehm... Begrüßung“, antwortete ich ihm, ich konnte mir die Anspielung auf unseren Kuss nicht verkneifen.
„Oh ja ...“ Zu mehr kam er leider nicht, da Emmett mit Edward das Büro betraten.
„Hallo Alice, schön dich zu sehen. Wie ich sehe, hast du dich mit Jasper bereits bekannt gemacht.“ Und so wie Edward mich spitzbübisch zusammen mit Emmett anschaute, wusste er ganz genau, wovon er redete. Oh man, da hatte Emmett wohl nicht seine Klappe halten können. Und so wie er da stand, konnte er sein Kichern kaum zurückhalten.
Nur Bella schaute total verwirrt von einem zum anderen und fragte sich wohl, was zum Teufel eigentlich hier los war.
Schnell meinte ich: „Hallo Edward und entschuldige bitte meinen spontanen Besuch. Ich war in der Gegend und habe soooo spannende Neuigkeiten, die ich gerne Bella mitteilen möchte. Wäre es möglich, wenn sie kurz eine Pause machen könnte?“ Und zu Bella gewandt: „Ich muss jetzt dringend mit dir einen Kaffee trinken!“ Dabei sah ich ihr beschwörend in die Augen.
Aber Edward hatte mich wohl schon verstanden, denn er nickte mir zwinkernd zu. Ich hätte ihm vor Dankbarkeit um den Hals fallen können, konnte mich aber zusammenreißen und zog schnell Bella, die sich gerade noch ihre Tasche schnappen konnte, hinter mir her. Schon rauschten wir zusammen die Treppe runter.
Auf der Straße blieb sie dann aber protestierend stehen und machte sich von mir los.
„Alice! Um Himmels Willen... was ist denn in dich gefahren? Du kannst doch nicht einfach so in mein Büro stürmen, an meinem ersten Tag! Sei froh, dass ich Edward besser kenne, jeder andere Chef hätte uns beide hochkant rausgeschmissen! Und... was war das bitte eben mit Jasper?“
„Belllaaaa, bitte... ich brauche jetzt dringend einen Kaffee! Dann beantworte ich dir auch alle deine Fragen.“ Ich schaute in ihre schokoladenfarbenen Augen, die bei meinem flehenden Ton augenblicklich zu schmelzen begannen.
Ach, ich liebte sie einfach, nie konnte sie mir lange böse sein.
„Ok, trinken wir einen Kaffee... aber dann bist du dran Alice!“
Wir machten uns auf den Weg zum Starbucks und hatten Glück; am Fenster war noch ein kleiner Tisch frei. Dort ließen wir uns mit unseren riesigen Caramel Macchiati nieder.
Genüsslich saugte ich an meinem Trinkhalm und genoss den ersten und besten Schluck, dann linste ich vergnügt zu Bella rüber, die mit großen Augen nur darauf wartete, dass ich ihr mein Verhalten von eben erklären würde. Ich versuchte mir mein Kichern zu verkneifen, aber im nächsten Moment sprudelte es schon aus mir heraus.
„Ach Bella, das glaubst du nicht. Ich war doch heute Morgen zu diesem Vorstellungsgespräch bei `TheRock´... und du kannst es dir nicht vorstellen... der Chefdesigner hat sich gleich meine Entwürfe angeschaut, so richtig, weißt du! Nicht einfach so überflogen und weggelegt, wie sonst immer. Er hat sich richtig Zeit genommen und mir auch Fragen zu den einzelnen Entwürfen gestellt. Er war sichtlich begeistert ...“
Meine Augen leuchteten und meine Hände fuhren wild durch die Luft.
„Und das Tollste: wenn ich mich geschickt anstelle, hat er sogar Interesse daran, meine Entwürfe mit in die Kollektion zu nehmen! Bella, ich habe den Job!“
Sie stellte ihren Macchiato zu Seite, umrundete den Tisch und nahm mich stürmisch in die Arme. „Oh, ich gratuliere dir von ganzem Herzen. Mensch... das hast du aber auch endlich verdient. Du kreierst so tolle Klamotten!“
Ich erwiderte ihre Umarmung und wurde richtig stolz auf mich. “Oh, danke Bella. Ich glaube, wir haben gerade beide eine Glückssträne!“ Ich trank meinen Latte weiter und zählte innerlich bis 5. Ich kam aber nur bis 4, da stellte Bella mir auch schon die nächste Frage.
„So, jetzt aber raus mit der Sprache, was war denn eben mit Jasper los? Warum war er so wütend und aufgebracht?“
Oje.
„Eigentlich habe ich nichts gemacht. Ich glaube, er war einfach etwas überrascht, als ich so schnell die Treppe hoch lief. Allerdings muss ich sagen, dass er mich richtig erschrocken hat. Wie aus dem Nichts tauchte er auf und hielt mich fest.“
Gespielt gleichgültig hob ich dabei meine Schultern hoch und starrte auf meinen Kaffeebecher.
Aber natürlich kaufte mir meine Freundin das nicht ab, dafür kannte sie mich einfach zu gut.
„Soso, nichts gemacht. Ich wette mit dir, du bist, ohne dich anzumelden, einfach die Treppe hinaufgestürmt. Jasper hatte also das gute Recht, dich aufzuhalten. Er kannte dich ja nicht und dachte bestimmt, eine Verrückte kommt da die Treppe rauf. Aber, wie bist du ihm dann entwischt?“
Ok... jetzt kam der etwas heikle Teil, den ich bis jetzt auch nicht so recht verstand. Was war da passiert?
Erst jetzt, wo ich ein bisschen zur Ruhe kam, fing mein Verstand an, das Geschehene zu verarbeiten. Wie konnte das sein, dass ich schon von ihm geträumt hatte... ?
Und ich hatte nun wirklich schon genug Männer in meinem Leben geküsst, aber noch nie blieb dabei die Zeit stehen.
Kurz zweifelte ich an meiner Wahrnehmung, aber ich konnte mich noch sehr genau daran erinnern. Fast glaubte ich seine Lippen noch auf meinen zu spüren...
Oh mein Gott... diese ganzen Empfindungen und Gefühle, die nur dieser eine Kuss in mir ausgelöst hatte. Und dann seine Reaktion. Wenn ich mich nicht täuschte, ging es Jasper genauso. Wenn ich nur daran dachte, ihn nochmal zu küssen, fing mein Blut schon vor Freude an, in meinen Adern heiß zu rauschen...
„Hallo? Erde an Alice...!“
Überrascht schreckte ich aus meinen Gedanken hoch und wurde tatsächlich vor Verlegenheit ganz rot.
Besorgt schaute meine Freundin mich an. „Ey, was ist denn los? So kenne ich dich gar nicht. Was hast du denn angestellt? Sonst kannst du es doch nicht erwarten, mir alles zu erzählen... Alice! Was hast du gemacht?“
Bei ihren Worten zuckte ich zusammen. „Ich... ich habe ihn einfach geküsst.“
Bei Bellas sprachlosem Gesicht setzte ich gleich mit einer Erklärung nach: „Er sah so wütend aus und ich hatte doch noch so gute Laune. Das war alles soooo spontan und unüberlegt... Aber du hättest mal seine Reaktionen sehen sollen. Er hat mich fest in seine Arme gezogen und ziemlich heiß meinen Kuss erwidert.“
Kurz schweifte ich in meine Erinnerung ab.
Bella saß mir jetzt nachdenklich und mit blitzenden Augen gegenüber. „Naja und dann... habe ich die Flucht ergriffen! Er war wohl immer noch selber von seiner Reaktion überrascht und so konnte ich ihm entwischen. Ich glaube aber auch, dass mir Emmett ein klein wenig geholfen hat.“
„Emmett? Was hat er denn damit zu tun?“ Fragend blickte sie mich an. Aber ich kam nicht mehr zu meiner Antwort, da plötzlich Bellas Telefon klingelte.
Sie wühlte in ihrer großen Tasche und angelte nach dem Handy. Ich hörte sie „Oh, schon wieder unbekannte Nummer“ murmeln und dann ging sie ran. Augenblicklich erbleichte sie und ihre Augen weiteten sich erschrocken.

Da ist Jacob am Telefon, oder?
AntwortenLöschen... Achso, ich wollte ja reviewen *lach*
Dein Handlungstempo ist mal wieder irre, aber zu Alice passt es ja. Sie kommt original wie der Wirbelwind rüber als den man sie kennt.
Wie immer sehr unterhaltsam und gut zu lesen.
Ich bin ein sehr undisziplinierter und ungeduldiger Mensch. Deswegen lese ich jetzt weiter anstatt mir für die kommenden Tage etwas aufzuheben.
CB