
Ganz langsam wurde ich wach. Ich überlegte noch, was mich geweckt haben könnte, als mir der köstlichste Geruch auf Erden in die Nase stieg. Schnuppernd öffnete ich die Augen und mein Blick fiel auf einen riesigen Becher mit Milchkaffee - oh sogar mit frischen Milchschaum - den mir Rose unter die Nase hielt.
Dankbar sah ich sie an. Das war für mich die schönste Art, geweckt zu werden.
Ich richtete mich in meinem Bett auf, nahm sehnsüchtig den Becher in eine Hand und trank genüsslich den ersten Schluck. Oh ja, das tat gut, mhh....
Dann wunderte ich mich, dass Rose mich weckte, ich hatte eigentlich mit einem viel rabiateren „Bella-Bella-du-musst-ganz-schnell-aufstehen!!“ von Alice gerechnet. Aber da hörte ich sie schon aus der Küche rufen.
„Rose, ist Bella nun endlich wach? Wie lange will sie denn noch schlafen und uns warten lassen? Sie kann ihren Kaffee doch auch hier in der Küche beim Frühstücken trinken.“
Ich konnte buchstäblich ihre Ungeduld spüren. Rose und ich seufzten fast gleichzeitig und mussten dann beide lachen. Das war eben unsere Alice. Dann wurde Rose wieder ernster und senkte ihre Stimme zu einem Flüstern herab.
„Bella, es hat mich viel Überredungskunst gekostet, Alice davon abzuhalten, dich schon vor über einer Stunde zu wecken. Jetzt hielt sie es einfach nicht mehr aus. Wir haben dann aber den Deal gemacht, dass ich dich wecken darf.“ Sie sah mich entschuldigend an. „Das ist doch das Mindeste, was ich tun kann. Immerhin habe ich dich heute Nacht aus diesem erotischen Traum gerissen.“
Jetzt bekam ich ein schlechtes Gewissen, denn ganz so war es ja nicht. Schon, mein Traum fing sehr romantisch an, aber dann.....Ich wollte das auf jeden Fall richtigstellen. Aber wie? Sollte ich Rose und dann natürlich auch Alice von meinem Traum mit dem verwirrenden Ende erzählen? Was würden sie wohl dazu sagen? Ich wusste ja selbst nicht, was ich davon halten sollte.
Rose schien wohl meine Gefühle in meinem Gesicht zu lesen, denn sie meinte leicht besorgt: „Bella Liebes, was ist denn?“
Nervös fing ich an, meine Bettdecke mit der freien Hand zu kneten und wich ihrem Blick aus. „Ach Rose, du brauchst dich bei mir nicht zu entschuldigen, weil du mich heute Nacht geweckt hast. Weißt du, ich wäre wohl eh bald hochgeschreckt....mein Traum hat sich plötzlich so verändert und war gar nicht mehr schön...“
Jetzt hatte ich den Anfang gemacht, es gab kein Zurück mehr. Vielleicht konnten sie mir auch dabei helfen, diesen Traum zu deuten? Vielleicht wussten sie einen Rat?
Verlegen schaute ich in Roses schöne blaue Augen, die vor lauter Sorge weit geöffnet waren.
Sie wollte gerade zur nächsten Frage ansetzen, als sich Alice wieder aus der Küche meldete.
„Rose, sag ihr bitte, dass ich extra für sie ihre Lieblingspfannkuchen gemacht habe! Mit Blaubeeren!!....Nun kommt schon!!“
Alice klang so hoffnungsvoll und gleichzeitig so ungeduldig....dass es schon wieder total süß war.
Jetzt roch ich auch schon den zweitschönsten Duft, den es morgens geben konnte: Blaubeerpfannkuchen! Alice fuhr wirklich schweres Geschütz auf, um an ihr Ziel zu kommen. Seufzend gab ich mich geschlagen.
„Schon gut! Rose, sag ihr doch bitte ich bin in 5 Minuten da, dann erzähle ich euch alles. Ich muss nur noch schnell ins Bad.“
Ich warf meine Bettdecke weg und lief ins Badezimmer, während Rose zu Alice in die Küche ging, um ihr die frohe Botschaft zu überbringen.
Auch wenn ich den Entschluss gefasst hatte, den beiden von meinem seltsamen Traum zu erzählen, war mir doch etwas unwohl dabei. Was würden sie von mir denken, wenn ich so etwas träumte? Vampire, also wirklich..! Aber andererseits …
Als ich in die Küche kam, saßen meine beiden besten Freundinnen leise diskutierend am Küchentisch. Rose erzählte Alice bestimmt gerade von meinem Traum heute Nacht.
So im Gespräch vertieft, fuhren sie erschrocken auseinander, da ich mich mit einem enthusiastischen „Wunderschönen guten Morgen zusammen“ an den reichlich gedeckten Frühstückstisch setzte. Alice hatte sogar Orangen frisch ausgepresst...
Dann sah ich sie an und ihre Gesichter waren einfach zu köstlich und plötzlich hatte ich wieder gute Laune. So ein blöder Traum, obwohl der Anfang...Ein breites Grinsen schlich sich auf meine Lippen.
Alice bemerkte dies natürlich sofort.
„Na Bella, schön geträumt heute Nacht? Rose hat es mir schon gerade erzählt! Was hast du denn mit Edward noch so alles am Strand getrieben?“ Frech und herausfordernd sah sie mich an.
Aber ich hatte einfach zu gute Laune um darauf einzugehen.
“Ach weißt du, so dies und das...“ und nahm mir den ersten Pfannkuchen.
Jetzt war ich aber gespannt. Ich wusste, dass sie das überhaupt nicht ausstehen konnte.
„Bella...das glaub ich dir jetzt nicht, spann mich nicht so auf die Folter.“
Sie fuhr sich fast schon verzweifelt durch die Haare, wenn sie nicht vorher schon in alle Himmelsrichtungen abstanden, dann jetzt! Es war schön zu sehen, dass ich mal am längeren Hebel saß.
Zufrieden biss ich in den Pfannkuchen und schloss genießend die Augen. „Oh, mhhh, sind die lecker...“
Ich konnte mein Lachen nicht weiter unterdrücken und prustete los; ich hatte Mühe, mich nicht zu verschlucken.
„Du kleines Biest, das machst du mit purer Absicht. Wenn du nicht sofort anfängst zu erzählen, mache ich dir NIE wieder Blaubeerpfannkuchen...“
Da verschluckte ich mich doch vor Schreck.
Jetzt war wohl Schluss mit lustig; ihre Augen blitzten und ich wusste, ich musste einlenken.
Schnell schluckte ich hustend die Pfannkuchenreste runter.
„Eigentlich habe ich euch wirklich schon alles erzählt.“
Alice zog die Augenbrauen hoch.
„Das Einzige, was ich noch nicht erwähnt habe, ist, dass wir heute Abend zum Essen verabredet sind. Edward hat mich am Strand gefragt, weil er mich unbedingt noch vor Montag wiedersehen wollte.“
Mal sehen ob ihr das reichte.
„Das ist doch schon mal etwas. Und...?“
Mit völlig unbewegter Mine sah sie mich an. Ich war richtig froh, dass ich ihre Freundin war. Denn wenn Alice sauer wurde, dann richtig.
„O.k. Da war noch dieser wirklich schöne Abschiedskuss. Der war ganz anders als die ersten. Sehr ruhig und intensiv...eher mit viel Gefühl als mit roher Leidenschaft.“ Träumerisch nahm ich mir ein Glas frischen Orangensaft.
„Oh...deinem Edward scheint es wohl doch ernst zu sein“, meinte Alice sehr nachdenklich.
Was, meine quirlige Alice nachdenklich?
“Und er möchte mit dir heute essen gehen?“
Jetzt hielt es auch Rose nicht mehr aus.
„Ja, sag schon, wo wollt ihr Essen gehen, hast du schon einen Plan, was willst du anziehen? Wann trefft ihr euch denn?“
Voller Vorfreude war die sonst eher ruhigere Rose kaum auf dem Stuhl zu halten.
Oje, jetzt fing das wieder an. Hatten sie sich nicht gerade erst gestern Abend an mir ausgetobt..? ..obwohl ich gestern wirklich heiß ausgesehen hatte, das musste ich zugeben.
„Ich weiß leider nicht, wo wir hingehen. Ich hoffe, es ist nicht zu edel...“
Ich holte tief Luft, um meinen Freundinnen den Entschluss, der mir ganz leicht gefallen war, mitzuteilen... aber was sie davon halten würden?
“...denn ich wollte mich eigentlich ganz normal anziehen. So wie ich wirklich bin...“ Als ich die erstarrten Gesichter sah, schoss ich noch schnell hinterher: „Bitte, mir ist das wichtig!“
Wie erwartet brach gleich Protest los; diesmal aber überraschenderweise zuerst von Rose.
„Schade, ich hatte mich schon so gefreut, dir wieder die Haare zu machen. Vielleicht doch ein bisschen?“ Sie sah mich bettelnd an. Und ich bekam fast Mitleid, aber nein...ich wollte, dass Edward mich so sah, wie ich nun mal war.
Denn ich wollte gleich wissen, ob er nur auf mein Äußeres stand oder ob ich ihn wirklich interessierte. Wenn ich so darüber nachdachte.....bekam ich schon etwas Angst. Wenn er jetzt total enttäuscht wäre?
Nervös fing ich an, auf meiner Unterlippe zu kauen.
Ein schrilles Klingeln an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Wer könnte das sein? Normalerweise bekamen wir Samstagmorgen keinen Besuch und da Alice und Rose gerade Single waren, erst recht nicht.
Alice war schon aufgesprungen und an der Tür, bevor ich überhaupt reagieren konnte. Ich hörte einen überraschten Ausruf von ihr und schon kam sie wieder in die Küche gelaufen.
Sie hielt eine große lange weiße Pappschachtel in den Händen. Verwundert sah ich sie an. Sie grinste nur und legte mir die Pappschachtel in den Schoß.
„Für dich, Bella.“
Es wunderte mich ein wenig, dass sie sich gar nicht zu meiner Entscheidung geäußert hatte; aber im Moment war ich eh viel zu neugierig.
Vorsichtig hob ich den Deckel – oh mein Gott! Ich blickte auf wunderschöne langstielige, weiße Rosen.
Obenauf lag ein schlichter zusammengefalteter Zettel.
Mit aufgeregt zitternden Händen nahm ich ihn und faltete ihn auseinander. Er war handgeschrieben, mit klarer Schrift...
Ich las den Zettel mindestens 3x durch, bevor ich ihn wieder weglegte.
Ich konnte es kaum glauben. Edward hatte mir tatsächlich Blumen geschickt. Weiße Rosen....er hatte gestern wirklich aufgepasst!
Mein Herz zog sich fast schmerzend vor Glück zusammen und ich fing an zu strahlen. Die letzten Sorgen und Zweifel, die ich noch wegen meinem Traum hatte, waren wie weggeblasen. Jetzt konnte ich es auf einmal nicht mehr erwarten, ihn wiederzusehen.
Träumerisch sah ich meine Freundinnen an, die sich schon sehr die Hälse verrenkten, um einen Blick in die Pappschachtel zu erhaschen.
„Und?“ kam es fast gleichzeitig von ihnen. Ich löste ihre Neugierde lächelnd in Nichts auf.
„Seht selber, Edward hat mir weiße Rosen geschickt...“ mit diesen Worten legte ich die Blumen auf den Küchentisch.
„Das sehen wir doch, wir wollen wissen, was er geschrieben hat, Bella!“
Alice musste sich sehr zusammenreißen, um mir den Brief von Edward nicht aus den Händen zu reißen. Aber auch Rose sah sehr gespannt aus.
„Hier, ihr könnt ja selbst lesen....“ Kaum hatte ich es ausgesprochen, als auch schon Alice den Brief in den Händen hielt und zusammen mit Rose durchlas. Sofort kam ein gehauchtes „Oh, wie schön“ von Rose und ein eher quietschendes „Wooow“ von Alice.
Dann sahen sie mich an und plötzlich hingen die beiden an meinem Hals und umarmten mich.
Der Rest des Tages wurde von den zweitwichtigsten Dingen des Lebend in Anspruch genommen: Haushalt und Einkaufen! Aber diesmal gingen mir diese Dinge wie von selbst von der Hand, denn ich schwebte auf Wolke 7...
Deswegen war ich sehr überrascht, als Rose mich auf die Schulter tippte, als ich gerade meine frische Wäsche zusammenlegte.
„Bella Liebes, willst du dich denn nicht fertig machen? Edward wollte dich doch um 19°° Uhr abholen, oder nicht?!“
Erschrocken fiel mein Blick auf meinen Wecker auf dem Nachttisch.
Mist, schon kurz nach 18°° Uhr! Wie war es möglich, dass es schon so spät war? Jetzt musste ich mich aber sputen....
„Danke, ich habe total die Zeit vergessen. Aber so reicht es mir noch zum Duschen!“
„Kein Problem. Wenn du Hilfe brauchst, sag einfach Bescheid. Ich komme sofort!“
Das glaubte ich ihr auf jeden Fall. Aber ich blieb eisern!
„Danke, aber heute Abend nicht.“
Schnell duschte ich und föhnte meine Haare wie auch sonst immer. Ich ließ es mir aber nicht nehmen, mich ausgiebig einzucremen. Soweit hatte Rose mich schon. Nur noch die Wimperntusche und schon war ich fertig.
Als ich in mein Zimmer kam, stand Alice mit steinharter Miene vor mir.
Ah, jetzt drohte mir die Vergeltung.
„Bella, ich weiß, du willst dich nicht besonders schick machen, aber bitte bitte bitte zieh wenigstens deine schöne Bluse an!“
Da ich nicht sofort reagierte, sondern noch überlegend an meiner Unterlippe kaute, legte sie noch nach. „Ich flehe dich an. Bitte geh nicht nur in diesem … diesem Ding da“, anklagend zeigte sie auf mein Bett, wo ich mir schon mein T-Shirt bereit gelegt hatte.
Sie sah dabei so entsetzt aus, dass ich nicht anders konnte.
„Schon gut, du hast gewonnen, aber die Jeans bleibt!“
Alice fiel mir fast um den Hals vor offenkundiger Erleichterung.
„Danke, Danke. Du wirst es nicht bereuen. Du kannst mir dann morgen danken.“ Und schon hüpfte sie aus meinem Zimmer, froh, ihr Ziel wenigstens halbwegs erreicht zu haben.
Schnell zog ich mich an, bevor Rose jetzt auch noch ihre Chance witterte.
Auf meine schöne Unterwäsche wollte ich aber nicht verzichten. Ich liebte einfach schöne Wäsche und dieser roséfarbene BH mit passendem String war wirklich klasse. Darüber meine Lieblingsjeans und meine grüne Bluse. Sie erinnerte mich spontan an Edwards Augen und ich musste seufzen. Jetzt dauerte es ja nicht mehr lange...
Als ich mich im Spiegel kurz betrachtete, musste ich Alice schon jetzt Recht geben. Sie passte wirklich wunderbar und unterstrich meine Weiblichkeit. Ich schlüpfte noch schnell in meine Schuhe, da klingelte es auch schon.
Mit klopfendem Herzen machte ich Edward die Tür auf.
Aber ich war kaum auf meine Reaktion vorbereitet. Da stand er, mein Traummann. Ich sah ihm in die wunderschönen Augen und eine große Sehnsucht erfüllte mich. Um ihm nicht gleich um den Hals zu fallen, musste ich mich stark zusammenreißen. Er zog mich förmig an, wie ein Magnet.
Letztendlich riss ich mich von seinem Gesicht los und registrierte erleichtert, dass er keinen Anzug trug, sondern auch eher Freizeitkleidung wie ich; dunkelblaue Hose mit weißem Hemd und grünem Pullunder.
Halt!... Wie war er angezogen? Sah er nicht aus wie...?
Wir sahen uns gleichzeitig wieder an und mussten lachen. Man hätte meinen können, wir hätten uns abgesprochen.
„Hallo meine Bella. Wie schön du heute Abend aussiehst.“
Er sagte dies so ehrlich und spontan, dass ich ihm das glaubte. Meine Anspannung, die ich gar nicht registriert hatte, fiel von mir ab. Ich seufzte erleichtert.
„Hallo Edward, schön dich zu sehen. Danke für die wunderschönen Rosen. Du hast mich wirklich sehr überrascht. Danke!“
Warm lächelte ich ihn an.
„Dann haben sie ja ihren Zweck erfüllt.“ Ein freudiges Lächeln erstrahlte auf seinem Gesicht. „Aber ich wollte dir auch damit danken, Bella. Für den unvergesslichen Abend gestern. Er war sehr schön.“
Er kam näher und zog mich sanft in seine Arme. „Bist du fertig?“
Sofort war ich von seiner Nähe berauscht. Ich fühlte nur noch seine starken Arme und schmiegte mich an seine Brust. Dann schaute ich zu ihm hinauf und unsere Blicke verschmolzen miteinander. Mir wurde leicht schwindelig und ich bemerkte, dass ich die Luft angehalten hatte.
Tief atmete ich durch und registrierte sein amüsiertes Lächeln.
„Fertig, Bella?“, fragte er mich nochmal.
Stimmt, er hatte mich ja etwas gefragt. Hoffentlich dachte er jetzt nicht, ich wäre nicht ganz richtig im Kopf. Das passierte mir sonst nie und jetzt bei ihm schon zum zweiten Mal. Menno, Bella jetzt reiß dich mal zusammen!
„Klar, ich hole mir nur schnell noch meine Tasche und dann können wir los.“
Nur widerwillig löste ich mich von meinem Traummann und schnappte mir meine Tasche. Dann rief ich noch schnell meinen Freundinnen ein „Bin dann weg“ zu und schloss die Wohnungstür hinter mir.
Auf dem Weg zum Wagen nahm Edward meine Hand. Ich fand das sehr schön, obwohl es eine so harmlose Geste war.
Er symbolisierte damit aber, dass wir zusammen gehörten. Mein Herz schlug kleine Purzelbäume. Sollte ich wirklich nach so langer Zeit wieder Glück haben? Dennoch wollte ich es diesmal langsam angehen, denn eines hatte mir mein Traum deutlich gesagt, tief im Unterbewusstsein hatte ich noch diese große Angst, wieder enttäuscht zu werden.
Nur war mir auch sehr bewusst, dass ich mich in seiner Nähe sehr beherrschen musste, denn mein Körper reagierte ziemlich stark auf Edward.
Selbst jetzt kribbelte meine ganze Hand und meine Brust zog sich freudig zusammen, wenn ich nur daran dachte, was er mit diesen Händen in meinem Traum alles angestellt hatte...
Ich musste ein leichtes Stöhnen unterdrücken und war froh, als wir sein Auto erreichten und er mich wieder los ließ; aber dann fehlte mir plötzlich diese sanfte Berührung, diese Wärme...
Ich musste mich wirklich zusammennehmen.
„Worauf hast du denn heute Abend Lust, Bella?“, riss mich Edwards Frage aus meinem Gewissenskonflikt.
Leicht geschockt sah ich ihn an. Bis mir einfiel, dass er ja das Essen meinte. O je, ich brauchte dringend eine Abkühlung!
„Wie wäre es mit Italienisch? Was Kleines, wo es schön gemütlich ist?“, schlug ich vor.
„Super, da weiß ich auch schon was....Lass dich überraschen, Bella.“
„Gerne, dann bin ich mal gespannt.“
Schweigend fuhren wir los, aber die Stille war gar nicht unangenehm.
Nach ca.10 Minuten hielt Edward an und ich erblickte durch das Wagenfenster das kleines italienisches Restaurant „Alfonso“. Ich kannte es noch nicht und war sehr neugierig, wie es wohl war.
Er öffnete mir die Autotür und half mir beim Aussteigen, danach ließ er meine Hand nicht los. Innerlich seufzte ich vor Glück.
Das Alfonso war in dunklen warmen Tönen gehalten. Im Eingangsbereich befand sich eine kleine Bar, wo es sich wartende Gäste schon einmal gemütlich machen konnten. Die Tische sahen sehr einladend aus und waren auch gut besetzt.
Aber ich hatte nicht damit gerechnet, dass Edward hier öfter zu Gast war; denn kaum hatten wir die Bar erreicht, als auch schon, wie mir später klar wurde, der Restaurantchef auf uns zugeeilt kam.
„Wunderschönen guten Abend, Mr. Cullen. Wie schön, Sie wieder in unserem Haus begrüßen zu dürfen. Was kann ich Ihnen anbieten? Einen Tisch im vorderen Bereich oder in einer unserer schönen Nischen?“
„Alfonso, Ihnen auch einen schönen guten Abend! Wie geht es Ihrer Familie?“
„Danke, alles bestens, Mr. Cullen! Ich hoffe, Ihre Begleitung und Sie sind auch wohlauf?“
„Ja, danke Alfonso. Wenn es heute Abend möglich ist, würden wir gerne etwas privater essen.“ Edward gab Alfonso seine Hand und verdeckte somit den diskreten Geldwechsel zwischen ihnen.
Alfonso strahlte Edward an, verneigte sich dann kurz und flitzte schon los, um uns unseren Tisch zu zeigen. Wir folgten ihm in den hinteren Teil des Restaurants, wo sich einzelne dezente Nischen befanden. Jede war für sich mit Wandschirmen so abgeschirmt, dass man dort sehr ungestört essen konnte. Alfonso führte uns zu einer dieser Ecken.
Wir setzten uns so auf die halbrunde Bank, dass wir uns gegenüber saßen. Es war wirklich sehr gemütlich und ich fing an, mich sehr wohl zu fühlen. Alfonso gab uns noch zwei Speisekarten und ließ uns dann erstmal allein. Gespannt versuchte ich die Karte zu studieren.
Aber ich konnte mich überhaupt nicht so richtig auf die Speisen konzentrieren, denn ich musste Edward immer wieder über den Menukartenrand beobachten. Er sah in diesem Licht einfach zu gut aus.
Die Kerze auf dem schön eingedeckten Tisch warf ein schönes Lichterspiel auf seine entspannten Gesichtszüge und hob seine klassischen Konturen hervor. Seine Augen strahlten und sein Haar schimmerte herrlich bronzefarben. Es war wieder leicht verwuschelt und ich erinnerte mich daran, wie sich sein Haar unter meinen Händen angefühlt hatte. Mir wurde ganz warm und ich musste mich wieder ermahnen, mich zusammenzureißen, sonst würde ich noch gleich zu ihm rüber rutschen. Ich fing an, auf meiner Bank leicht nervös herumzuzappeln.
Edward entging mein Verhalten natürlich nicht und er schaute mich leicht verwundert an.
„Alles in Ordnung, Bella? Du siehst leicht erhitzt aus. Wollen wir schon unsere Getränke bestellen?“
Sein verschmitztes Lächeln sagte mir aber, dass er ganz genau wusste, wie es mir ging.
O.K. Bella, du wirst doch wohl in der Lage sein, ein normales Essen zu überstehen, ohne Edward gleich an die Wäsche zu wollen. Wenn er sich zusammenreißen konnte, und ich wusste sehr genau, dass er es musste, so wie seine Augen mich ansehen, dann konnte ich das doch auch!
Ich warf einen letzten sehnsüchtigen Blick auf seine Lippen, wobei ich ganz genau Edwards scharfes Einatmen wahrnahm, und schaute mit den Worten „Alles in Ordnung, bin gleich soweit“, wieder in die Karte.
Ich nahm gleich das Erstbeste und klappte sie dann zu.
Wie auf ein Zeichen erschien Alfonso, um unsere Bestellung aufzunehmen. Edward bestellte Filetto al vino rosso und dazu einen Chianti Classico, ich Ravioli al`Funghi und noch ein Wasser.
Ich wollte nicht so viel trinken, denn dann verlor ich schnell meine Kontrolle und gerade die brauchte ich heute Abend sehr dringend. Alfonso ging und schon fing die Luft zwischen uns wieder an zu knistern.
Edward rettete mich, indem er anfing, mir Fragen über mein Leben zu stellen. Er wollte wissen, wo ich aufgewachsen war und ich begann, ihm über das kleine Städtchen Forks zu erzählen. Über meinen Vater Charlie, dem Polizeichef von Forks und über meine leicht chaotische Mutter Renee. Nur über Jake erzählte ich ihm nichts. Dafür war ich noch nicht bereit. Es schmerzte einfach noch zu sehr.
Aber ich erzählte ihm von meinen besten Freundinnen, die mit mir ohne zu zögern nach New York gingen. Dass wir wie Geschwister zusammen wohnten und wie glücklich ich war, sie zu haben.
Beim Erzählen entspannte ich mich immer mehr und fing an, das Date mit Edward immer mehr zu genießen.
Ich wusste doch, dass ich es konnte!
Als unser Essen dann kam, war ich an der Reihe und fragte Edward nach seiner Familie. Sofort fingen seine Augen an zu leuchten und er erzählte von seinem Vater Carlisle, dem Chefchirurgen, und seiner liebevollen Mutter Esme. Er hatte wie ich keine Geschwister, aber er fing gleich an, von seinen beiden besten Freunden Emmett und Jasper zu reden, die ich ja auf der Party schon kennengelernt hatte. Wie sie zusammen in Phönix aufgewachsen waren und beschlossen, in New York zusammen ihr Glück zu versuchen. Für ihn waren die beiden nicht nur Freunde und Geschäftskollegen, sondern Brüder. Ich konnte ihn da richtig gut verstehen, denn so ging es mir schließlich mit Alice und Rose auch.
Wir lachten viel und der Abend wurde immer schöner. Nach dem Essen bestellte Edward uns noch einen Espresso, einen Nachtisch bekam ich einfach nicht mehr runter.
Ich war glücklich und satt. Jetzt fehlte mir zum vollkommenem Glück nur noch Edward. Mein Blick wurde wieder wärmer und ich rutschte ein wenig mehr an Edward ran. Er bemerkte mein Vorhaben und kam mir den halben Weg entgegen.
Er zog mich in seine Arme und drückte mich fest an sich. Wir seufzten beide. Ich hörte, wie sich sein Herzschlag beschleunigte und hob ihm meinen Lippen sehnsüchtig entgegen. Nun endlich sollte ich meinen heiß ersehnten Kuss von ihm bekommen.
Edward kostete den Moment voll aus und senkte langsam seine Lippen auf meine, aber nur für einen sehr zarten Kuss. Dann schaute er mir tief in die Augen bevor sich seine Lippen erneut auf meine drückten, die vor lauter Ungeduld schon zitterten. Endlich! War mein letzter klarer Gedanke.
Danach konnte ich nur noch fühlen. Eine Welle der Erregung durchfuhr meinen Körper und ich drückte mich noch näher an Edward. Er zog daraufhin meine Unterlippe zwischen seine Lippen und biss ganz zart zu. Leise fing ich an zu wimmern und wie von selbst fanden meine Hände den Weg zu seinem wunderschönem Haar.
Plötzlich wurden wir laut und provokativ angesprochen.
„Na, wen haben wir denn da, die kleine Isabella Swan aus Forks.“
Erschrocken löste ich mich von Edward und schaute auf. Schon an der Stimme hatte ich erkannt, wer da vor uns stand. Mein persönlicher Albtraum. Dem ich gehofft hatte in New York entkommen zu sein...
Victoria!


Als eingefleischter Jacob-Fan freue ich mich darüber, dass du ihn nicht vergessen hast. Kommt er noch ins Spiel? Ach, werde ich ja gleich sehen. *gespannt*
AntwortenLöschenJedenfalls war es wieder toll zu lesen.
Die Parallelitäten zur Originalstory sind nicht zu viel und nicht zu wenig. Schön!
CB