7. Himmel!


„Ich glaube, da vorne musst du gleich rechts.“
Konzentriert schaute ich auf meinen schwankenden Routenplan. Bei Alice' Fahrstil konnte ich kaum was erkennen. Zum Glück hatte ich mir die Strecke extra groß ausgedruckt. Innerlich klopfte ich mir auf die Schulter, gut gemacht Rose!

„Glaubst du es nur, oder bist du dir sicher?“ Leicht genervt versuchte Alice, sich im Straßenverkehr zu orientieren.

„Moment... ja doch, es stimmt! Hier gleich rechts!“ Und schon zerrte Alice das Lenkrad scharf herum und wir gingen mit quietschenden Reifen in die Kurve. Hinter uns hörten wir nur noch lautes Gehupe.

„Himmel...! Kannst du nicht etwas langsamer fahren? Dein Mini Cooper ist doch kein Porsche!“ Verzweifelt versuchte ich Halt zu finden. „Ich mach mir auch Sorgen um Bella, aber deswegen musst du doch nicht so verrückt rasen. Wir haben Edward gesagt, dass wir um 10 Uhr da sind. Wir liegen doch super in der Zeit!“
Und das stimmte. Laut Google brauchten wir keine fünf Minuten mehr und es war erst viertel vor zehn.

„Ja ich weiß, ich bin aber so aufgewühlt. Ausgerechnet jetzt musste Victoria auftauchen...! Gerade hat Bella endlich mal Glück und trifft diesen Edward und dann… oh verflucht!“ Und schon trat Alice wieder das Gaspedal durch.

„Ich glaube, dass sie bei diesem Edward in guten Händen ist. Er machte mir gestern Abend einen recht angenehmen Eindruck. Du musst auch zugeben, dass es total lieb von ihm war, sie mit zu sich nach Hause zu nehmen. Ich habe noch keinen Mann kennen gelernt, der das für mich getan hätte. Die hätten nur alle schnellstmöglich das Weite gesucht... “
Innerlich musste ich seufzen, meine Freundin hatte ihren Traummann gefunden.
Angestrengt musterte ich weiter den Plan.

„Ich glaube auch, dass Bella mit Edward einen guten Fang gemacht hat. Wenn ich davon nicht überzeugt gewesen wäre, hätte ich doch nie zugelassen, dass er einfach unsere Freundin mitgenommen hätte. Aber du weißt doch, wie durcheinander sie immer nach ihren Albträumen ist, da mache ich mir eben meine Gedanken ... obwohl ich glaube, dass sie in Edwards Nähe vielleicht doch auf andere Gedanken kommt. Sie hatte doch erst vorgestern diesen Traum, du weißt schon...“, schelmisch grinsend schaute Alice zu mir herüber.

Da wurde ich doch glatt rot. „Stimmt, war mir das peinlich, als ich sie da geweckt hatte... “
Kurz dachte ich an die Situation, die ich so falsch gedeutet hatte, zurück. Aber irgendetwas war da noch... und Bella war auch kurz davor gewesen, es mir zu erzählen. Jetzt machte ich mir doch wieder Sorgen.
Ich warf einen kurzen Blick auf den Straßenverkehr, gerade noch zur rechten Zeit.
„Oh, da vorne an der Ampel müssen wir nochmal rechts.“
„Ging das nicht etwas früher!?“ Nach einem kurzen Blick über die Schulter wechselte Alice nochmals die Spur und bog ohne zu bremsen ab.

„Alice! Himmel...! Das war jetzt aber eher Blutorange. Du hättest doch auch noch anhalten können.“ Verzweifelt hielt ich mich am Haltegriff fest und war nur froh, dass der so stabil war.

„Wieso, das war doch gerade erst von grün auf gelb umgesprungen. Nun beruhige dich doch... alles ist in Ordnung!“
Alice musterte mich scheinbar verwundert von der Seite, doch ich sah das verräterische Glitzern in ihren Augen.

„Na klar... So, jetzt sollte es die Hausnummer 1918 sein.“
Bewundernd ließ ich meinen Blick die Straße runter gleiten. „Wow, Alice schau nur… sind das schöne Häuser hier.“
Mit großen Augen und offenem Mund betrachtete ich die unterschiedlichen Einfamilienhäuser. Sie waren alle in einem ähnlichen Stil gebaut. Mit Holzverkleidung und großen farbigen Fensterläden. Kleine Holzveranden hießen Gäste 'Willkommen' und viele hatten einen liebevoll angelegten Vorgarten. Ich staunte nicht schlecht. Und hier sollte also Edward wohnen. Ich musste erstmal schlucken.

Und auch Alice war sehr beeindruckt. Es ging sogar so weit, dass sie kurz anhielt um sich umzugucken.
„Ach du meine Güte... 1918 sagtest du! Ich glaube, dann ist es das Weiße mit den grauen Fensterläden da.“

Ich schaute in die Richtung und musste ihr recht geben. Das war die Nummer 1918... was für ein toller Anblick.
Langsam fuhr Alice an den Straßenrand und wir stiegen aus. Schnell erklommen wir die weiße Treppe, die auf eine prachtvolle Veranda führte. Dort hing eine große Hollywood-Schaukel und ließ erahnen, dass hier schöne Sommerabende verbracht wurden.
Alice klingelte und zappelte dann ungeduldig rum.

„Bitte, du machst mich ganz nervös mit deinem Gespringe. Du wirst schon sehen, Bella geht es bestimmt gut“, meinte ich zu ihr – nur fragte ich mich gerade, wen ich hier eigentlich beruhigen wollte, sie oder mich? Ich hoffte einfach so sehr, das es Bella gut ging und dass wir gestern die richtige Entscheidung getroffen hatten, als wir Edward vertrauten.

Da wurde die Tür geöffnet und ich war total verwirrt. Das war doch nicht Edward, hatten wir uns in der Adresse geirrt? Aber Alice war wie immer schneller und fragte schon nach.
„Sind wir hier bei Edward Cullen?“, fragte sie den wirklich großen dunkelhaarigen Typen.

„Ja meine hübschen Damen, hier sind Sie richtig! Ich heiße Emmett McCarty, herzlich willkommen! Kommt doch herein. Bella ist mit Edward hinten in der Küche.“ Mit diesen Worten, die mit einem verschmitzten Grinsen untermalt wurden, bat er uns herein und Alice spurtete schon los. Oh je, typisch Alice, nicht ein Wort der Begrüßung, so ungeduldig war sie...

Ich trat etwas näher und sah mir diesen Emmett mit der vollen tiefen Stimme erst jetzt so richtig an. Wow, was für ein Bär von einem Mann. Er war ja riesig und passte kaum in den Türrahmen. So herrlich muskulös und seine braunen Augen…
Ich ertappte mich plötzlich, wie ich ihn wortlos anstarrte. Mist, das war ja jetzt genauso unhöflich, wie Alice eben. Was dachte er jetzt nur von uns.
Himmel!

„Hallo Emmett, ich heiße Rosalie Hale und die kleine Schwarzhaarige eben, das war Alice Brandon. Wir sind die Freundinnen von Bella.“ Ich gab ihm schnell meine Hand zu Begrüßung.

„Lady...“, antwortete er und nahm meine Hand. Nur schüttelte er sie nicht, wie ich erwartet hatte, sondern führte sie hoch an seine sinnlichen Lippen. Ich hatte schon eine bissige Bemerkung auf der Zunge, aber mir blieb fast das Herz stehen bei den Gefühlen, die mich plötzlich durchfluteten. Ich zog scharf die Luft ein und ließ sie mit einem kleinen Seufzer wieder raus, als er mir sanft auf die Hand küsste. Dabei sah er mir tief in meine Augen und löste diesen intensiven Blickkontakt auch nicht, als er seinen Kuss beendete und mir sanft mit seinem Daumen genau über dieser Stelle leichte Kreise zog.

Ich war völlig in seinen Bann gezogen. So etwas hatte ich bis jetzt noch nie bei einem Mann erlebt. Und ich hatte wirklich schon die komischsten und abgedroschensten Anmachen und auch Sprüche am eigenen Leib erfahren. Sie waren mir alle zuwider… aber dieses hier… sollte ich etwa das gleiche Glück wie Bella haben und auf einen echten Gentleman gestoßen sein...?

„Rose, alles o.k. hier?“ Unser Blickkontakt wurde durch Bella unterbrochen, die plötzlich neben mir stand und mich ansprach, ich hatte sie vorher nicht bemerkt. Sofort bekam ich ein schlechtes Gewissen und ich merkte, wie mir die Röte in die Wangen stieg. Schnell entzog ich Emmett meine Hand. Was war ich doch für eine schlechte Freundin, sollte nicht ICH diejenige sein, die sich um Bella sorgte und nicht hier mit dem Freund ihres wohl fast-schon-Freundes flirtete?

„Bella Liebes, ja, hier ist alles ehm ...“, ich warf Emmett einen Blick zu, der sich still zu amüsieren schien. „Wirklich, es ist alles in Ordnung... Aber sag, wie geht es denn dir?“, fragte ich sie schnell.

Nun sah ich, wie sie leicht verlegen wurde und mir fiel ein Stein vom Herzen. Alice und ich hatten die richtige Entscheidung getroffen. Edward schien wirklich der Richtige für sie zu sein. Endlich, ich war so froh! Ich dachte schon, sie würde ewig an diesem Jugendfreund Jacob hängen.

Bevor Bella mir antworten konnte, meinte ich zu ihr: „Oh, ich sehe schon. Bei Edward ist es dir gut ergangen.“ Schnell schloss ich sie fest in meine Arme, drückte sie kurz und hakte mich dann bei ihr unter. „Wo finde ich jetzt deinen Edward, um mich bei ihm zu bedanken?“

Bei dem Wort `deinen´ wechselte Bellas Gesichtsfarbe zu einem noch intensiveren Ton und ich musste leise lachen.
Dabei bemerkte ich, dass Emmett mich immer noch sehr genau beobachtete. Mir war das nicht unangenehm, ich genoss es, seinen Blick auf mir zu spüren und mir wurde schon ganz warm. Natürlich ließ ich mir nichts anmerken, warf aber kurz mit meiner freien Hand mein langes blondes Haar zur Seite und fuhr dann mit dieser Hand von meinem Nacken runter nach vorne zu meinem Ausschnitt, um dort kurz die Knöpfe an meiner rosafarbenen Bluse zu kontrollieren.

Oh ja, das gefiel ihm, seine Augen funkelten, als er meinen Nacken bewunderte und er hielt kurz die Luft an, als ich an meinem Ausschnitt nestelte. Innerlich triumphierend wandte ich meine Aufmerksamkeit wieder Bella zu, die von diesem kleinen Austausch nichts mitbekommen hatte.

„Ach Rose… komm, er ist in der Küche und macht Alice gerade einen Kaffee“, antwortete mir Bella, dann drehte sie sich um und schlenderte mit mir in Richtung Küche. Mit einer gewissen Genugtuung merkte ich, wie dicht Emmett uns folgte.

Noch bevor wir die Küche erreichten, hörte ich Alice und eine raue männliche Stimme lachen. Neugierig schaute ich mich in der Küche um, wow, was für eine fantastische Küche, und sah, wie Alice auf der Arbeitsplatte sitzend mit einem total süßen Typen ihren Spaß hatte.

Beim Nähertreten erkannte ich Edward auch, ich hatte ihn gestern nur sehr kurz gesehen. Er sah glücklich aus. Das freute mich sehr für Bella, vor allem als ich sah, wie seine Augen anfingen zu strahlen, als er Bella wieder in die Küche kommen sah, dann guckte er mich interessiert an.

„Guten Morgen Rose, da es gestern leider etwas schnell ging... ich bin Edward Cullen, meinen besten Freund Emmett hast du ja schon kennen gelernt!“ Dabei warf er Besagtem einen kurzen Blick zu. „Sollte er sich schlecht benommen haben, möchte ich mich gleich dafür entschuldigen…“ Schnell duckte er sich weg, da Emmett spielerisch gegen seinen Oberarm boxen wollte, was ihm aber nicht gelang.
Er beließ es dabei, blieb neben Edward stehen und sah mich wieder an.

Der runzelte leicht die Stirn darüber, schien sich dann mit einem kurzen Kopfschütteln von einem Gedanken loszumachen und sprach weiter zu mir gewandt: „Ich möchte mich vor allem gleich bei dir für den Tipp mit dem Kaffee bedanken.“ Ein schiefes Lächeln auf den Lippen guckte er dabei von mir zu Bella, die plötzlich sichtlich verlegen war. Sein Blick wurde weich und er zog sie zärtlich zu sich heran und schon versanken sie in ihrer eigenen Welt.

Schmunzelnd schaute ich zu Alice, da ich mich wunderte, dass sie noch nichts gesagt hatte; da merkte ich, wie sie kauend Emmett beobachtete, der wiederum mich mit seinen Blicken geradezu verschlang. Oh ja … ich erkannte deutliches Interesse bei ihm. Unsere Blicke verfingen sich wieder. Er strahlte so viel Stärke aus... ich malte mir aus, wie geborgen ich mich in seinen Armen fühlen könnte und verspürte eine gewisse Sehnsucht nach ihm. Ich fragte mich, wann er wohl den nächsten Schritt wagen würde, denn in dieser Sache war ich doch sehr altmodisch.

Da hörte ich Alice leicht frustriert aufstöhnen. „Das gibt es doch nicht, Rose… du jetzt auch? Na toll, ich glaube ich brauche noch einen Kaffee!“

Emmett und ich sahen beide Alice etwas schuldbewusst an und mussten dann über ihr entsetztes Gesicht lachen. Es war sehr lustig, ihn lachen zu sehen, denn bei ihm lachte der ganze Körper mit. Zum Schluss wackelte er noch mit seinen Augenbrauen... Mann, der war einfach zum Anbeißen! Hoffentlich kam er bald in die Puschen...

„So ihr Hübschen, dann mache ich mal neuen Kaffee. Rose, wie trinkst du deinen?“
Abwartend musterte er mich.

„Heiß, stark und süß!“, kam es mir spontan und herausfordernd von den Lippen und ich sah sehr wohl in seinen Augen und seinem leichten Kopfnicken, dass er merkte, dass ich nicht nur vom Kaffee sprach.

„Das ist gut zu wissen…!“ Mit einem Lächeln drehte er sich um und machte sich an die Arbeit.

Alice hatte alles mitbekommen und grinste mich super frech an. Natürlich amüsierte sie sich auf meine Kosten. Ich sah aber auch, dass sie sich für mich freute. Eigentlich lief mein Leben zu Zeit perfekt und ich konnte mich nicht beklagen, nur der richtige Mann fehlte mir noch. Aber in letzter Zeit hatte ich es wirklich nur mit Idioten zu tun gehabt und ich war es schon Leid, mich deren Annäherungsversuchen zu erwehren. Endlich einmal schien ich ein recht annehmbares Exemplar der männlichen Gattung gefunden zu haben.

„Hier Rose, nur für dich ein extra heißer, starker und süßer Kaffee...“, riss mich ein äußerst charmanter Emmett aus meinen angenehmen Gedanken.

Mein Herz setzte kurz aus und fing dann vor Freude an wild zu klopfen.
Ich nahm vorsichtig einen kleinen Schluck von dem Getränk. Mhhh...
Einfach lecker. Dann schaute ich durch meine Wimpern zu dem mich Beobachtenden rauf und meinte: „Danke, der ist wirklich sehr gut...“, und schon versank ich wieder in diesen warmen braunen tiefen Augen, mhhh...

Danach saßen wir noch alle zusammen an dem großen gemütlichen Küchentisch und unterhielten uns über alles Mögliche. Mir machte es sehr viel Spaß und ich konnte mit Freuden beobachten, wie wir fünf gut miteinander harmonierten. Wir lachten, diskutierten und knufften uns zwischendurch und mir ging es richtig gut.

Zum Abschluss standen wir alle auf der großen Veranda. Ich beobachtete, wie Bella und Edward sich liebevoll voneinander verabschiedeten und fragte mich schon, ob ich die Zeichen von Emmett falsch verstanden hatte, als er mich zur Seite zog. Mit großen und erwartungsvollen Augen wartete ich ab, was er mir zu sagen hatte.

Er nahm meine Hand und fing mit seinem Daumen wieder an, kleine Kreise zu zeichnen. Mir wurde so schön warm und ich trat unauffällig etwas näher an ihn heran.

„Rose... es war sehr schön, dich heute kennen zu lernen.“ Tief schaute er mir dabei in die Augen.

Ja! Der Anfang war gemacht. Wäre ich Alice, würde ich jetzt wohl auf der Stelle tanzen... Aber ich blieb ganz ruhig neben ihm stehen. Er strahlte so eine Stärke aus... Würde er mich jetzt fragen, ob er mich noch einmal wiedersehen wollte? Ich wünschte es mir sehr und wartete gespannt auf seine nächsten Worte.

„Es war auch sehr schön, dich heute kennenzulernen, Emmett.“
Ich erwiderte seinen Augenkontakt, um ihn so zu ermutigen.

Aber leider wurde meine Hoffnung nicht erfüllt.
Ich weiß nicht wie, aber irgendwie vermasselte Emmett diese Gelegenheit. Auf einmal fing er an leicht verlegen zu gucken und er wünschte mir noch stammelnd eine schöne Heimfahrt – und ließ mich dann abrupt stehen.
Himmel! Ich war so perplex, dass ich mich nur noch umdrehte und automatisch zum Auto ging, wo Bella und Alice schon auf mich warteten.

Die ganze Fahrt war ich sehr still und hing meinen Gedanken hinterher, und schließlich wurde ich wütend!
Warum... ? Was war passiert, dass er so einen Rückzieher machte..?
Ich schwor mir... so einfach würde ich es Emmett McCarty nicht noch einmal machen!
Himmel!

2 Kommentare:

  1. Nanu, mal was von Rose?
    Erfrischend anders, nicht so souverän, wie man sie kennt.
    Wollen wir da mehrere Fliegen auf einmal erwischen?
    Ein nettes Intermezzo, aber jetzt hätte ich gern wieder was von Bella. Du hattest die Spannung so schön aufgebaut. Das war dann jetzt die kalte Dusche für den Leser.
    *Hechtsprung zum nächsten Kapitel*
    CB

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  2. ich kann mich meinem vorschreiber nur anschließen :D

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