14. Ein 'rosiger' Morgen


"Edward, bitte..."

Lachend befreite ich mich aus seiner Umarmung und hatte es fast geschafft, die Tür von seinem Volvo aufzumachen, als er mich am Hosenbund erwischte und ruckartig zurückzog. Mir entwich ein überraschter Laut. Seine starken Arme schlossen sich von hinten fest um meine Hüfte und ich landete hart an seinem muskulösen Oberkörper. Wow... was für ein herrliches Gefühl.

Edward grub behaglich brummend sein Gesicht in mein offenes Haar und zog mich noch dichter an sich ran. Sofort hüllte mich sein einzigartiger Duft ein und ich schloss genießerisch meine Augen. Daran könnte ich mich gewöhnen.
Leicht drehte ich meinen Kopf zu ihm herum, was sich aber gleich als Fehler herausstellte, denn kaum hatte ich ihm meinen freien Hals gezeigt, da knabberten seine samtigen Lippen schon an meiner empfindlichen Haut. Seine raue Zunge hinterließ eine feuchte kribbelnde Spur, als er sich einen Weg zu meinem Ohrläppchen bahnte. Oh, nein...

Mein kläglicher Versuch, sich aus seiner Umarmung zu befreien erstarb und mein Lachen ging in ein leises Stöhnen über, als er mir kurz in mein Ohrläppchen biss, es dann zwischen seine Lippen nahm und zärtlich daran saugte. Wie ein Blitz schoss eine Welle der Erregung durch meinen Körper. Mist! Er wusste nur zu gut, wie ich darauf reagieren würde.

Ich fing an mich zu winden und unruhig auf dem Autositz rumzurutschen; ich konnte mich kaum noch daran erinnern, warum ich aus diesem Wagen und seiner verführerischen Nähe entkommen wollte. Edward erlöste mich lachend von meiner süßen Qual, drückte mir einen kurzen festen Kuss auf meine Lippen und schob mich dann entschlossen aus seinem Auto.

"Jetzt aber ... du musst los, meine Bella, sonst kommst du zu spät zu Tanya! Und je schneller du da fertig bist, desto schneller habe ich dich wieder!" Dabei lächelte er mich verwegen schief an und ich bewunderte mal wieder seine Schönheit. Was mein Herz schon längst verstanden hatte, konnte mein Kopf noch immer nicht glauben: Edward liebte mich so wie ich ihn. Dieses Gefühl hielt ich ganz fest, zu kostbar war es, um es zu verlieren. Kurz verschmolzen unsere Blicke und ich konnte in seinen Augen Liebe, Zuversicht und tiefes Vertrauen lesen.

"Ach, das musst du gerade sagen! Wer versucht denn jetzt seit 10 Minuten, aus deinem Auto zu entkommen?" Gespielt vorwurfsvoll schaute ich ihn an und biss mir dabei schmollend auf meine Unterlippe, da ich genau wusste, was das in ihm auslöste.

Wie gebannt schaute er auf meinen nun leicht geöffneten Mund. Bevor er aber eine letzte Chance hatte, nach mir zu greifen, entwischte ich ihm und stolperte auf wackeligen Beinen in Richtung meiner Haustür davon. Hinter mir hörte ich nur noch sein heiteres Lachen und das Aufheulen des Motors.

Immer noch vor mich hin kichernd stieg ich die Treppe zu meinem Apartment rauf. Doch schnell wanderten meine Gedanken zu dem eher Unerfreulichen heute Morgen: der Termin bei Tanya!

Wenn ich nur daran dachte, lief es mir eiskalt den Rücken runter. Sie erwartete einen Bericht von mir. Ich musste wirklich sehr vorsichtig mit dem sein, was ich ihr erzählte. Und wie ich es am geschicktesten anstellen würde, sie zu täuschen. Nachdenklich legte sich meine Stirn in Falten. Genau deswegen musste ich auch noch unbedingt vorher zu Hause vorbeischauen, denn ich brauchte dringend ein paar Unterlagen.

Ich dachte über das Telefonat mit Rose von gestern Abend nach. Nachdem ich sie beruhigt und ihr versichert hatte, dass es mir bei Edward sehr gut ginge, obwohl das in meinen Augen noch ziemlich untertrieben war, hatte sie mir erzählt, dass Alice sich noch mit Jasper verabredet hatte.

So so, da schien es ja zu knistern. Ich wusste noch, wie Alice' Augen gefunkelt hatten, als sie mir von diesem spontanen Kuss zwischen ihr und Jasper erzählt hatte. Interessant! Leider hatte ich im Starbucks viel zu wenig aus ihr herausbekommen, da dieser Anruf von Jacob dazwischen gekommen war. Innerlich seufzte ich bei diesem Gedanken und schob dieses Thema aber schnell zur Seite, da würde ich mich später drum kümmern müssen. Jetzt waren erst mal wichtigere Dinge dran.

Und dann fuhr Rose am Telefon fort, ich würde es nicht glauben, aber sie hätte jetzt schon drei Schachteln mit rosafarbenen Rosen von Emmett geschickt bekommen. Na, da zog ja jemand alle Register.

Wir hatten darüber sehr lachen müssen und sie hatte gemeint: "Den lasse ich noch etwas zappeln!" Ich konnte ihrer Stimme aber anhören, wie sehr sie sich darüber freute! Als es dann bei ihr an der Tür geklingelt hatte, legte sie nach einem "das gibt es doch nicht" und "wir sehen uns morgen, Bella" auf. Sehr merkwürdig ...

So vor mich hin grübelnd wollte ich gerade die Apartmenttür aufschließen, als plötzlich Alice wie ein Wirbelwind neben mir auftauchte und mich freudestrahlend angrinste.

"Alice!" Erschrocken ließ ich meine Schlüssel fallen.

"Guten Morgen Bella, ist das nicht ein wunderschöner Morgen?! Die Luft ist so frisch und so klar! Ach ... "

"Oh ... da hat wohl jemand eine schöne Nacht gehabt?" Schelmisch musterte ich sie, wie sie sich seufzend mit verträumten Blick an die Tür lehnte. So hatte ich sie schon lange nicht mehr gesehen und ich freute mich mit ihr. Jasper schien wirklich einen sehr guten Eindruck bei ihr hinterlassen zu haben.

"Mhh ... " kam es nur von ihr und dann fing sie an, eine Melodie vor sich hin zu summen.

Jetzt konnte ich mir mein Grinsen nicht mehr verkneifen und hob glucksend meinen Schlüssel auf. Als ich dann endlich die Tür offen hatte und wir beide in unsere Wohnung kamen, blieb mir mein nächster Kommentar im Hals stecken.

Im Flur auf der Kommode standen in unseren normalen Trinkgläsern so an die 50 rosafarbene Rosen. Emmett! schoss es mir gleich durch den Kopf. Das mussten seine Rosen sein! Aber warum standen die denn hier im Flur und warum in unseren Gläsern? Wir hatten zusammen schon so einige diverse Blumenvasen ... Oh, wenn jetzt schon die Blumen in den Trinkgläsern zu finden waren ... was um Himmels Willen hatte Emmett getan?

Alice neben mir erwachte aus ihrer Träumerei. Sie nahm eine Rose, steckte ihre kleine Nase schnuppernd in die zarte Blüte und hob eine weiße Karte auf, die auf einem Stapel von mindestens zehn kleinen Karten lag. Sie las sie kurz durch und zeigte sie mir mit einem spitzbübischen Lachen.

"Schau mal!" war ihr Kommentar dazu und schon griff sie nach einer weiteren Karte.




Oh ... neugierig geworden streiften wir uns unsere Jacken ab und liefen ins Wohnzimmer, wo wir beide dann staunend stehenblieben. Überall standen Vasen, Gläser und sogar meinen Lieblingskaffeebecher erkannte ich unter der Pracht von einem Meer aus Rosen. Mist! Da zerplatzte der kurze Traum, noch schnell einen Kaffee zu bekommen.

Es hatte uns buchstäblich die Sprache verschlagen. Da hörten wir aus dem Flur eine männliche Stimme fluchen. Erschrocken fuhren wir herum und schauten uns verwundert an.

"Rose, du kleines Biest! Das gibt es doch nicht! Wo hast du meine Klamotten versteckt? Und wie bitte schön soll ich mich mit einem Waschlappen abtrocknen? Das einzige, was ich finden konnte, war dieser ... dieser ... "

"Emmett!", riefen Alice und ich fast gleichzeitig und stürmten in den Flur. Das wollten wir genauer sehen; und wir hatten Glück. Gerade steckten wir den Kopf aus der Wohnzimmertür, da kam er aus unserem Bad gestürmt mit nichts weiter an seinem bewundernswerten, nassen, gut geformten Leib, als Roses kurzen, rosafarbenen Spitzenmorgenmantel, den er sich vorne sehr notdürftig zusammen hielt. Ein Bild für die Götter.

Er war schon halb an uns vorbeigelaufen, als er uns wahrnahm und erschrocken mitten in seiner Bewegung erstarrte. Keiner sagte ein Wort. Selbst Alice stand der Mund vor Staunen offen und es gehörte schon viel dazu, sie sprachlos zu machen. Wir hörten nur das leise aber stetige Tropfen von Wasser, welches langsam seine langen Beine runterlief und sich zu seinen Füßen in einer kleinen Pfütze sammelte.

Rose, die die ganze Szene von ihrer Zimmertüre aus beobachtet hatte, holte uns in die Wirklichkeit zurück. "Emmett mein Lieber ... du tropfst!"

In diesem Moment gab es für uns drei Mädels keinen Halt mehr und wir lachten herzlich los. Ich musste mich an der Wohnzimmertür festhalten, sonst hätten meine Beine unter mir nachgegeben, da Alice mir halb in den Armen hing! Mir standen schon die Tränen in den Augen und ich konnte nicht mehr.

Emmett hingegen ging mit dem letzten Bisschen, was er noch an Würde besaß, langsam auf Rose zu. Musterte sie aus seinen zusammengekniffenen Augen, schnappte sie sich dann und schob sie rückwärts in ihr Zimmer zurück. Nach einem kurzen Quieken ihrerseits schlug die Tür zu und ließ uns zwei prustend zurück.

Mittlerweile hatten meine Beine doch nachgegeben und ich lag zusammen mit Alice verknotet auf unserem Fußboden. Was war es doch für ein befreiendes Gefühl! Diese Situation zeigte mir mal wieder deutlich, wie schön es war, solche Freundinnen zu haben. Wir verstanden uns auch ohne Worte. Mein Herz, was vor Liebe zu Edward eh schon überquoll, hüpfte freudig auf und ab. Ich war einfach in diesem Moment so glücklich!

Mühsam rappelten wir uns wieder auf und trockneten unsere Lachtränen. Oh-oh ... was hatte Rose nur angestellt? Ich vermutete, dass dies wohl zu ihrem kleinen "Ich-lass-ihn-noch-etwas-zappeln"-Plan gehörte. Und so wie Alice mich wissend anschaute, vermutete sie das auch.

"Rose ... so, so?? Das sieht mir aber nicht danach aus, als ob er noch zappeln würde? Oder was meinst du, Bella?"

"Na ja ... ich würde sagen, er hängt schon fest am Haken!“
Und schon mussten wir wieder lachen. Ein schneller Blick auf die Uhr ließ mich kurz zusammenzucken, ich musste mich jetzt wirklich beeilen.

"Alice, so gerne ich dich jetzt auch ausquetschen würde, was da zwischen dir und Jasper vorgeht ... ", dabei schaute ich sie mir genauer an und bemerkte das verräterische Blitzen in ihren Augen, "ich muss mich noch schnell umziehen, meine Unterlagen zusammensuchen und mich dann wirklich sputen!"

"Oh ... der Termin bei deiner Chefin! Mensch Bella ... ich drücke dir die Daumen. Ich hoffe, es klappt alles." Schnell umarmte sie mich und ich genoss das Gefühl, so viele liebe Menschen im Rücken zu haben, die an mich glaubten!

2 Kommentare:

  1. hallo stuffelchen,
    im wahrsten sinne des wortes ein wirklich "rosiger" morgen*kicher*
    wie immer einfach nur toll!!
    emmet im rosa morgenmantel das will ich sehen:)
    oje tanya das kann ja nix gutes bedeuten...
    is jake eig. jz raus?? und treffen er und edward mal aufeinander?? das fände ich voll spannend!!

    *knuddel*
    alles liebe deine bella♥

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  2. Hallo Stuffelchen,
    das ist einfach soooo toll.
    Emmett im rosa Morgenmantel ist sicher ein amüsantes Bild.
    Ich freu mich schon total darauf, dass es weitergeht.
    Auch möchte ich einmal Tina für ihren tollen Beta-Job loben.
    Na ja, eigentlich wollte ich ja ein längeres Review schreiben, aber was anderes als klasse, toll und brilliant fällt mir nicht ein.;)
    Alles Liebe, Carolin

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