15. Tanya

Caffè latte!

Ich kam meinem Ziel immer näher, als ich in der Warteschlange vom Starbucks stand.
Immer noch vor mich hin lächelnd dachte ich an diesen Morgen. Bis jetzt war er schon sehr ereignisreich gewesen und ich hatte einfach gute Laune.
Wieder glitt mein Blick auf meine Uhr ... ja - ich hatte noch 15 Minuten. Das sollte ich schaffen. Ungeduldig trat ich von einem Bein aufs andere, da piepte plötzlich mein Handy. Mit gerunzelter Stirn angelte ich in meiner großen Umhängetasche nach meinem Telefon und seufzte kurz auf, als ich auf dem Display die Absenderin erkannte.

White Caffè mocha!

"Mist!" Meine Chefin Tanya kannte mich schon zu gut. Allerdings war es vielleicht gar nicht schlecht, sie mit ihrem Lieblingskaffee in gute Laune zu versetzen. Unweigerlich musste ich an das mir bevorstehende Gespräch mit ihr denken. Dabei wurde ich wieder hibbelig.

Nach meinem Studium hatte ich große Schwierigkeiten gehabt, einen Job zu finden. Meine Noten waren zwar erstklassig, aber ich war so schüchtern, dass ich bei den Vorstellungsgesprächen kaum ein Wort herausbekam. Einzig Tanya war damals bereit gewesen, mir eine Chance zu geben. Ich war so froh darüber und wollte ihr unbedingt beweisen, was in mir steckte, deshalb hatte ich nicht lange gezögert und den Knebelvertrag unterschrieben, den sie mir vorlegte.

Jetzt aber war der Tag gekommen, auf den ich das letzte Jahr still und leise hingearbeitet hatte. Wenn ich meine Karten richtig ausspielte, konnte ich sogar zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Hoffentlich ging mein Plan auf ... er musste einfach.
Ich hatte bis jetzt so viel Glück gehabt und sogar so viel mehr bekommen, als ich mir jemals erhofft hatte. Diese Party - das war meine Chance gewesen - nur mit Edward Cullen hatte ich so nicht gerechnet...

"Ihre Bestellung bitte!"

Verwirrt schreckte ich auf und schaute in das wartende Gesicht eines jungen Kellners.
Als er mich noch mal fragte, rasselte ich leicht verlegen meine Wünsche runter. Danach ließ ich, immer noch leicht abwesend, meinen Blick durch das überfüllte Lokal wandern. Um diese Uhrzeit herrschte hier reger Betrieb, jeder wollte noch vor Arbeitsbeginn einen Kaffee ergattern.
Da entdeckte ich eine rote Lockenmähne zwischen den Gästen und es durchfuhr mich wie ein Blitz; erschrocken zuckte ich zusammen.

Victoria!

Konnte das sein? Seit ich ihr an diesem Abend beim Italiener mit Edward begegnet war, hatte ich das Gefühl, sie ständig irgendwo zu erkennen. Ich stellte mich auf meine Zehenspitzen, um besser sehen zu können, aber da war sie wieder verschwunden.
Obwohl ich mir nicht sicher gewesen war, klopfte mir mein Herz bis zum Hals und ich rieb mir unbewusst meine feuchten Handflächen an meinem Rock ab.

Das musste jetzt aufhören! So ging das nicht weiter, dass ich gleich eine Panikattacke bekam, sobald ich jemanden mit roten Locken sah. Ich musste doch in den sauren Apfel beißen und mich mit Jacob treffen. Victoria war schließlich sein Problem. Er hatte sie doch verlassen!

Ich hatte jetzt Edward gefunden. Seltsam, wie nur der Gedanke an ihn mich mit so viel Liebe und Wärme erfüllte. Ich konnte es kaum erwarten, bis wir uns wiedersahen und ich seinen Duft einatmen und in seiner Umarmung versinken konnte... Trotzdem zitterten meine Hände, als ich nach den Kaffeebechern griff und ich ertappte mich dabei, wie ich immer wieder einen Blick über meine Schulter nach hinten warf.

Nur einen Block weiter lief ich schwungvoll durch die Drehtür und stand im Foyer von 'Denali-Stoffe'. Heute hatte ich aber keinen Blick für die imposante Halle, wo die Geschichte der Baumwolle wie in einem Museum ausgestellt war, übrig. Ich hatte nur noch 5 Minuten!

Schnurstracks lief ich nach links zu den Fahrstühlen, zum Glück war gerade einer unten. Kaum war ich drin, als sich die Türen hinter mir zischend schlossen. Nachdem ich gesehen hatte, dass meine Etage schon leuchtete, atmete ich erleichtert auf, nur um mich gleich wieder zu versteifen.

"Guten Morgen, Miss Swan. Sie sehen heute Morgen wieder bezaubernd aus."

Mist! "Mister Newton." Mit einem leichten Kopfnicken begrüßte ich unseren Personalchef und zwang mich dazu, etwas lockerer zu stehen. Er sollte meine Unsicherheit nicht bemerken. Er war bis jetzt immer sehr nett zu mir gewesen, auch wenn ich das Gefühl hatte, in seinem Blick immer etwas mehr Interesse zu sehen.

Wie zur Bestätigung fingen seine Augen an zu blitzen und ich wurde natürlich nervös.
Krampfhaft riss ich mich zusammen und dachte an Edward. Dabei fing ich unbewusst an zu lächeln und ich wurde viel ruhiger. Mike Newton jedoch schien dieses Lächeln falsch zu deuten und trat noch einen Schritt näher an mich heran. Fast berührten sich unsere Schultern und ich wich langsam etwas zurück, bis mich die Fahrstuhlwand stoppte. Er beugte sich zu mir und meinte: "Auf Tanyas Party haben Sie mich ganz schön überrascht, Miss Swan." Dann richtete er sich wieder auf und zwinkerte mir zu.

Total perplex und sprachlos starrte ihn an, wobei ich mir auf meine Unterlippe biss. Meine Gedanken rasten zu der Party und ich versuchte mich zu erinnern, wann er mich gesehen hatte und was genau er meinte...

Während ich so nachdachte, bemerkte ich seinen Blick, der plötzlich auf meinen Mund fixiert zu sein schien. Schnell hörte ich auf, auf meiner Lippe zu kauen und suchte nach einem passenden Kommentar, als mich die Aufzugtüren retteten.

Mit einem "Entschuldigen Sie mich bitte, ich habe mit Tanya Denali einen wichtigen Termin" drehte ich mich um und lief eilig auf mein Büro zu, schlüpfte hinein und lehnte mich von innen an die geschlossene Tür. Mein Puls rauschte mir in den Ohren und ich zwang mich, ruhig durchzuatmen. Was war das nur für ein Morgen...

Dann seufzte ich einmal tief und nahm den ersten Schluck aus meinem Becher. Ich schloss meine Augen und ließ mit einem kurzen Stöhnen das schwarze Gold meine Kehle hinuntergleiten. So genoss ich einen Moment die Ruhe vor dem Sturm...

Danach straffte ich meine Schultern und schritt entschlossen auf den Flur hinaus: der Höhle der Löwin entgegen. Ihre Sekretärin deutete mir schon mit einer Geste an, dass ich mich beeilen sollte und informierte Tanya durchs Telefon, dass ich da war. Nach einem kurzen Nicken in ihre Richtung klopfte ich an, setzte ein Lächeln auf und schritt über die Türschwelle.

"Isabella! Sie schickt der Himmel..." Dabei strahlte sie mich so falsch an, dass sich mein Magen verknotete.

"Schönen guten Morgen, Tanya."

Sie sah wieder großartig aus. Heute trug sie ihr Haar zu einem locker geflochtenen Zopf und nur vereinzelte Strähnen umrahmten ihr perfekt geschminktes Gesicht. Ihre kalten blauen Augen unterzogen mich einer kurzen Musterung und blieben an ihrem Kaffee hängen, den sie freudestrahlend entgegennahm. Danach gab sie mir durch einen Wink zu verstehen, dass ich mich setzen sollte.

"Ich bin schon sehr neugierig, Isabella. Was ist denn da zwischen Ihnen und Mr. Cullen auf meiner Party gelaufen, Sie waren so schnell mit ihm verschwunden?" Mit blitzenden Augen wartete sie auf meine Antwort.

"Mr. Cullen wollte mit mir in Ruhe über sein Angebot sprechen und schlug vor, einen kleinen Spaziergang zu machen. Daraufhin gingen wir zum Strand, wo er mich dann auch bat, gleich am Montag in sein Büro zu kommen..." Was für eine Untertreibung.
Allein der Gedanke an diesen Abend ließ mein Blut warm durch meine Adern fließen und ich spürte, wie ich leicht errötete ... nicht gut.

"Mehr nicht? Als Sie von Strand zurückkamen, sah es aber schon nach etwas mehr aus?", hakte sie gleich nach und beobachtete mich genau.

Das hatte ich mir schon gedacht, dass sie mich das fragen würde. Wenn ich an den Blick dachte, den sie mir auf ihrer Party geschenkt hatte ... der war das pure Gift gewesen. Mir war klar, dass ich mich zwar bei Edward einschleichen sollte, SIE aber wohl vorgehabt hatte, ihn um ihren kleinen Finger zu wickeln. Doch sie hatte keine Gelegenheit gehabt, ihren Plan in die Tat umzusetzen, da ich ja mit ihm spazieren gewesen war.

"Das war nur die Folge meiner Tollpatschigkeit. Ich hatte mir meine Schuhe ausgezogen, um am Strand besser laufen zu können und als ich sie wieder anziehen wollte, landete ich im Sand und Mr. Cullen war so freundlich, mir aufzuhelfen. Er ist ein wirklicher Gentleman …“

Oh Mann ... selbst in meinen Ohren klang das ziemlich dämlich ... allerdings wusste Tanya, dass ich wirklich sehr leicht das Gleichgewicht verlor und gerne mal über meine eigenen Füße stolperte. Vielleicht hatte ich ja Glück, dass sie mir das irgendwie abkaufte...

Ich konnte in ihrem Gesicht sehen, wie sie über meine Aussage nachdachte. "Nun gut... lassen wir das jetzt mal so stehen. Cullen hat sich also darauf eingelassen, Sie in seine Bücher schauen zu lassen."

"Ja, ich war gestern wie vereinbart in seinem Büro. Und..."

"Und was?" Tanya war ganz schön ungeduldig.

Ich hatte gehofft, etwas mehr Zeit zu haben, um mich auf den ersten Teil meines Plans vorbereiten zu können. Ich räusperte mich kurz, um meiner Stimme mehr Festigkeit zu geben und fuhr fort.

"Sie haben dort eine etwas "veraltete" Buchführung. Ich musste mir erst mal einen Überblick verschaffen, aber bis jetzt kann ich Ihre Einschätzung noch nicht bestätigen."
Oh Mann ... das musste sie mir jetzt irgendwie abkaufen. Mir wurde schon leicht übel, da ich wusste, wie schlecht ich lügen konnte.

"Isabella, sind Sie sicher? Sonst brauchen Sie doch nur einen kurzen Blick in die Bilanz und die wichtigsten Auswertungen und Prognosen zu werfen und schon sehen Sie, ob ein Geschäft Gewinn erzielt, rentabel wirtschaftet und liquide ist? Habe ich Sie da so unterschätzt?" Mit hochgezogenen Augenbrauen wartete sie auf meine Antwort.

"Das sind alles alte T-Konten-Bücher, sie haben bis jetzt noch keinen Computer benutzt. Da lässt sich das so schnell nicht sagen. Automatische Auswertungen sind dort nicht möglich. Ich muss alle Daten manuell zusammenstellen."

"Echt?" Jetzt stand Tanya auf, lief rot an und beugte sich ungläubig über ihren Schreibtisch. "Was wollen Sie mir damit sagen?"

Ich rutschte etwas tiefer in meinen Sessel und nahm meinen ganzen Mut zusammen. Dann schickte ich ein Stoßgebet zum Himmel: Lass es klappen! Bitte!!
Wenn ich Edwards Firma vor einer Übernahme durch Tanya schützen wollte, dann musste ich jetzt so überzeugend lügen wie noch nie zuvor in meinem Leben.

Natürlich ahnte Edward nichts von ihren finsteren Plänen. Sie hatte ihm ein Angebot für eine kooperative Zusammenarbeit gemacht. Nur deshalb war er bereit gewesen, einem ihrer Mitarbeiter Einsicht in seine Bücher zu geben.

"Ich denke, Sie haben da falsche Informationen. Das, was ich bereits erkennen konnte, ist, dass 'Tree-Brothers' nicht so hohe Gewinne erzielt, wie Sie glauben, Tanya. Die Firma hatte neulich erst ein Problem mit einem Holzlieferanten. Sie haben eine große Menge "mangelhaftes" Holz geliefert bekommen. In dieser Branche ist Vorkasse üblich. Durch den Konkurs des Lieferanten hatten sie keine Chance mehr, an ihr Geld zu kommen und haben einen hohen Verlust erlitten."

Das entsprach sogar zum größten Teil der Wahrheit, deshalb gelang es mir, halbwegs glaubhaft zu lügen. Ich hatte nur maßlos übertrieben, was die Höhe des Verlustes anging.

Tanya war jetzt aufgesprungen und lief unruhig in ihrem Büro auf und ab. Dabei stieß sie ab und zu leise Flüche aus.
"Das kann ich einfach nicht glauben!", schrie sie. „Mein Informant sagte mir etwas völlig anders... sie wären DAS aufstrebende Unternehmen in diesem Segment mit viel Ausbaupotenzial und eine ideale Ergänzung für uns ..."

Sie hielt inne, blieb vor mir stehen und schaute mir misstrauisch in die Augen. "Isabella ... was für ein Spiel spielen Sie gerade? Das kaufe ich ihnen nicht ab ... irgendetwas läuft da zwischen Ihnen und Cullen..."

Mist, Mist, MIST!!!

Ich musste sie schnell von dieser Fährte ablenken, denn damit kam sie der Wahrheit viel zu nah …
Unbehaglich fing ich an, mir auf der Lippe rumzukauen. Und dann plötzlich...
Hinterher wusste ich nicht mehr, woher ich in diesem Moment die Kraft nahm, das durchzuziehen, aber irgendwie hatte sich mein Leben in den letzten Tagen so zum Positiven verändert.

Was ich vorher nie für möglich gehalten hatte, passierte. Ich stand auf und bot meiner Chefin das erste Mal die Stirn.

"Tanya! Mir reicht es! Bis hierhin und nicht weiter. Ihre schmutzigen Spielchen können Sie ab jetzt alleine spielen. Ich bin raus!" Fest blickte ich ihr dabei in die Augen und sah zu, wie sie sich vor Schreck weiteten.

"Was soll das heißen? Wie reden Sie denn mit mir?" Völlig überrumpelt trat sie einen Schritt zurück und starrte mich ungläubig an. Sie hatte sich aber schnell wieder gefasst.

"Das wagen Sie nicht ... das können Sie nicht!" Das letzte Wort kam ziemlich schrill über ihre Lippen und ich konnte sehen, wie meine Worte langsam ihren Verstand durchdrangen und sie begriff, was ich gerade tat.

"Doch ... ich kündige!"

Ja - es war raus. Heute zu kündigen war der zweite Teil meines Plans gewesen. Doch ich hatte bis zuletzt bezweifelt, ob ich die nötige Kraft dafür haben würde. In meinen kühnsten Träumen hätte ich mir nicht vorstellen können, wie viel Spaß ich dabei haben würde. Es war ein so schönes Gefühl, ihr diese Worte an den Kopf zu werfen. Innerlich jubelte ich auf und genoss das Adrenalin, was mir durch die Adern schoss.

"NEIN ... das können - das dürfen Sie nicht ... Sie wissen, was in Ihrem Vertrag steht ... Sie haben eine sechsmonatige Kündigungsfrist! Ich werde mich gleich mit meinen Anwälten in Verbindung setzen ... so nicht, Isabella!"
Und schon drehte sie sich um, um an ihr Telefon zu kommen.

Diese lange Kündigungsfrist band mich an Tanya. So befand ich mich in einer Zwickmühle. Sie wusste, dass keine Firma 6 Monate auf mich warten würde, ich aber niemals kündigen würde, so lange ich noch keinen neuen Job hatte. Ich war zwar nicht mehr so schüchtern, aber ich hatte immer noch Angst vor Vorstellungsgesprächen. Deshalb hatte ich der Gelegenheit entgegengefiebert, mich bei 'Tree-Brothers' erst zu beweisen, bevor ich mich dort um eine Stelle bewarb.

"Das würde ich mir noch mal überlegen, ob Sie die Sache wirklich vor Gericht bringen wollen. Das könnte peinlich für Sie werden ..." Jetzt hatte ich sie! Der Unterton in meiner Stimme ließ sie innehalten. "Sie glauben doch nicht, dass ich hier total unvorbereitet vor Ihnen stehe, Tanya. So gut sollten Sie mich nun wirklich kennen. Ich scheine ja in Ihren Augen das kleine Mädchen vom Lande zu sein, was Sie nach ihrem Belieben formen und benutzen können, aber dumm ... dumm war ich noch nie, wie Sie wissen."

Es widerstrebte mir, diesen Trumpf auszuspielen, auch wenn ich mir nicht viel Hoffnung gemacht hatte, dass ich drum herum kommen würde. Aber Tanya ließ mir keine andere Wahl und sie hatte sich selbst zuzuschreiben, was nun kam.

Ich erinnerte mich noch daran, wie ich auf diese Dokumente gestoßen war, als ob es gestern gewesen wäre. Ich sollte für Tanya an ihrem Rechner Unterlagen zusammenstellen, als ich versehentlich eine falsche Datei öffnete und sie entdeckte.

Es handelte sich um E-Mail-Kontakte mit J. Jenks, einem Anwalt. Aus diesen Mails ging klar hervor, dass Tanya die feindliche Übernahme verschiedener Firmen plante. Doch nicht nur das. Sie hatte mit Jenks einen Plan ausgeheckt, bei dem sie doppelt abkassieren würde.

Durch geschickt ausgestreute falsche Gerüchte wollte sie den Aktienkurs dieser Unternehmen zum Absturz bringen. Nur um dann durch Strohmänner günstig an diese Aktien zu gelangen, bevor ihre Firma ein rettendes Übernahmeangebot machte, das die betroffenen Unternehmen annehmen mussten, wenn sie nicht untergehen wollten.
Sobald die Information über die Übernahme die Runde machte, würden die Aktienkurse in die Höhe schnellen. Damit bekam sie nicht nur ein eigentlich kerngesundes Unternehmen zu einem nahezu symbolischen Wert, sie würde auch noch Millionen an den Aktien verdienen…

Langsam drehte sie sich wieder zu mir um und starrte mich mit offenem Mund an. Das sah so undamenhaft aus, dass ich lachen musste, was sie natürlich noch mehr verärgerte.

"Sehen Sie diesen USB-Stick? Hier drauf befindet sich eine Kopie Ihrer Mails mit J. Jenks..." Um ihn ihr demonstrativ zu zeigen, hielt ich ihn hoch und wedelte damit vor ihren Augen rum.

Jetzt fixierte ich sie und sah, wie ihr sämtliche Farbe aus dem Gesicht wich. Damit hatte sie nicht gerechnet. Geschockt ließ sie sich in ihren Chefsessel fallen und starrte nachdenklich auf den Datenstick in meinen Händen. Dann nahm sie das Gesicht in ihre Hände, seufzte einmal tief und schaute mich das erste Mal, seit ich sie kannte, offen an.

Wir wussten beide, dass die Beweise in den Mails nicht für eine Anzeige ausreichen würden, denn noch hatte sie diese Insidergeschäfte ja nicht getätigt. Aber sie waren belastend genug, um Tanyas Ruf in der Geschäftswelt ein für alle Mal zu zerstören. Und das wollte sie um keinen Preis riskieren. Eher würde sie mich zähneknirschend gehen lassen.

"Ok, Isabella Swan. Ich habe Sie unterschätzt. Was wollen Sie von mir? Eine Gehaltserhöhung? Wieviel?"

Wow ... damit hatte ich wiederum nicht gerechnet. Ich hatte vermutet, dass sie sich wie eine Furie auf mich stürzen würde um an die Daten zu kommen. Aber das... Ihr Verhalten verunsicherte mich für einen kurzen Augenblick. Aber dann rief ich mir die letzten Jahre ins Gedächtnis und ich schüttelte diesen Gedanken mit einem Schulterzucken wieder ab.

"Lassen Sie mich einfach nur gehen, Tanya." In meiner Stimme schwang so viel Hoffnung mit. Ich konnte es kaum glauben, wie leicht es auf einmal war, so mit erhobenem Kopf vor ihr zu stehen. Ich sah Tanya Denali plötzlich mit anderen Augen und erkannte ihre Schwächen.

"Es ist Ihnen also wirklich ernst damit? Haben Sie sich das gründlich überlegt? Bedenken Sie doch Ihre Chancen..."

Aber ich fiel ihr gleich ins Wort. "Nein, mein Entschluss steht fest, Miss Denali!"

Ich hatte noch nicht die Tür erreicht, als sie mir noch einmal hinterher rief.
"Isabella, ich wünsche Ihnen viel Glück. In Ihnen steckt wirklich sehr viel Potenzial."

Ich traute meinen Ohren kaum. So hatte sie noch nie mit mir gesprochen. Sprachlos drehte ich mich ein letztes Mal zu ihr um, flüsterte ein "Danke" und verließ ihr Büro.

2 Kommentare:

  1. hallo stuffelchen,
    tja bella würd ma sagen du leidest an warnehmungsstörungen;)
    wann kommt jake eig. wieder ins spiel??? das is echt spannend.
    *knuddel*
    alles liebe deine bella♥

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  2. Hallo Stuffelchen,
    das hast du (wieder einmal) super hinbekommen. Ich habe das Kap einfach nur genossen.
    Tja...was ist denn jetzt mit Victoria? Du schaffst es echt gut, die Spannung aufrecht zu halten...
    Da werd ich jedes mal ein bisschen neidisch...*g*
    Alles Liebe, Carolin

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