19. Der Drache

"Ach Verflu..." Ich riss ich mich gerade noch zusammen, denn ich hatte heute eindeutig schon zu viel geflucht... Leicht verzweifelt fuhr ich durch meine Haare. Das erste Mal in meinem Leben verspürte ich den Wunsch zu rauchen, um mich irgendwie von meinen düsteren Gedanken abzulenken. Dann wäre der Boden um mich herum bereits mit zahlreichen Zigarettenkippen übersät. Da ich aber weder rauchte noch an den Fingernägeln kaute, gab es nichts, womit ich mich zerstreuen konnte, ohne zu riskieren, Bella aus den Augen zu lassen. Wie war ich nur in diese Situation geraten?

Als wir beim Starbucks eingetroffen waren, überzeugte ich mich davon, dass Jacob noch nicht da war. Nur zögerlich konnte ich Bella gehen lassen, nicht, bevor ich sie noch einmal fest an mich gedrückt und ihr meine Gefühle mit einem sehr innigen Kuss gezeigt hatte. Danach suchte sie sich – wie versprochen – einen Platz am Fenster. Von dort aus konnte sie Blickkontakt mit mir halten und mir ein Zeichen geben, falls sie meine Hilfe brauchte.
Wie hatte sie sich erst gegen diese Sicherheitsmaßnahme gesträubt und sie für übertrieben gehalten. Als sie aber erkannte, wie wichtig es mir war, hatte sie zugestimmt und ich konnte erleichtert aufatmen.

Seitdem sie sich gesetzt hatte, stand ich in diesem Hauseingang, beobachtete sie und wartete darauf, dass Jacob auftauchte. Obwohl mein Innerstes tobte, versuchte ich, mich so lässig wie es nur ging zu zeigen. Ich fühlte mich dabei wie eine billige James-Bond-Kopie und kam mir ein wenig lächerlich vor, doch ich hätte Bella niemals allein hierher gehen lassen.

Es war mir immer noch ein Rätsel, wie ich mich überhaupt darauf hatte einlassen können…
Ich unterdrückte den Impuls, nervös auf und ab zu laufen und stopfte stattdessen meine Hände in die Hosentaschen.

Obwohl all meine Instinkte dagegen protestierten, hatte ich zugestimmt, dass Bella sich mit Jacob traf. In meinen Gedanken schüttelte ich verwundert über mich selbst den Kopf. Natürlich verstand ich, warum es ihr so wichtig war, einen Schlussstrich zu ziehen. Nur so war es ihr möglich, dieses Trauma endgültig hinter sich zu lassen, das sie so lange belastet und davon abgehalten hatte, ihr Leben zu leben.

Es sprach eigentlich alles dafür, das Bella sich mit ihm traf...

Eigentlich!

Doch ich misstraute Jacob Black zutiefst. Nach all dem, was ich über ihn gehört hatte, verachtete ich diesen feigen Hund.
Er hatte die Frau – die er angeblich so sehr liebte – im Stich gelassen und sich jahrelang einen Dreck darum geschert, wie es ihr ging.
Wütend biss ich die Zähne aufeinander, hörte es in meinem Kiefergelenk knacken.
Erst als seine Ehe scheiterte, erinnerte er sich wieder an Bella und brachte ihr Leben erneut durcheinander.
Und so, wie es aussah, wiederholte er gerade das gleiche miese Verhalten von damals bei seiner Ehefrau…

Trotz allem hatte ich in gewisser Weise sogar Verständnis für Jacob, auch wenn ich das niemals zugeben würde. Welcher Mann würde sich nicht nach einer Frau wie Bella zurücksehnen? Einer Frau, die so liebevoll, warmherzig und selbstlos war, dass ich sie oft nur ehrfürchtig anstarren konnte. Sie war alles, was ein Mann sich nur wünschen konnte, und mehr...
Jacob wäre ein Narr, wenn er sie nicht zurückhaben wollte.

Doch sie gehörte mir.
Mir allein.

Und ich würde um sie kämpfen. Mit allen fairen und unfairen Mitteln, die mir zur Verfügung standen.

Denn sie wollte mich!
Nur mich!

Sie liebte mich, so unglaublich das auch war. Ich hatte ihr Herz gewonnen und würde es nie wieder hergeben. Nicht, solange sie es nicht von mir zurückverlangte.
Und genau davor hatte ich Angst. Das war der Grund, warum ich – bei allem Verständnis – eine Begegnung zwischen Jacob und ihr so gern verhindert hätte.

Denn was wäre, wenn sie genau das tat? Wenn sie nach ihrem Treffen mit Jacob unsere Beziehung beendete?
Der Schmerz, der mich bei dieser Vorstellung durchraste, raubte mir den Atem und erinnerte mich an den Moment, als ich gestern nach Jacobs Anruf dachte, Bella an ihn verloren zu haben. Ich betete darum, nie wieder diese Leere und Finsternis spüren zu müssen.

Was wäre, wenn sie erkannte, dass er ihr doch noch mehr bedeutete, als ihr bewusst war? Unsere Liebe war doch erst noch am Wachsen und Entstehen ... konnte sie gegen ihre Erinnerungen bestehen?
Sie hatte Jacob jahrelang hinterher getrauert und war alles andere als über die Trennung hinweg, auch wenn sie das dachte. Die Tatsache, wie tief er sie hatte verletzen können, war der Beweis dafür, wie viel er ihr einmal bedeutet haben musste.
Wie viel war von diesen Gefühlen noch übrig? Hatte er noch eine Chance bei ihr?

Ich glaubte ihr, dass sie mich liebte. Aber man konnte Menschen auf sehr viele unterschiedliche Arten lieben…
Was bedeutete ihr Jacob, nach all der Zeit und allem, was geschehen war, heute noch? Würden ihre Empfindungen für ihn wieder an die Oberfläche kommen, wenn sie ihn sah? Waren ihre alten Gefühle für ihn stärker als ihre neue Liebe zu mir?

Auch wenn es mir das Herz bei lebendigem Leib herausreißen würde, ich würde sie gehen lassen, wenn sie sich für Jacob entschied. Alles, was zählte, war, dass sie glücklich wurde, egal, wie es mir dabei ging.
Ich ballte meine Hände zu Fäusten und konnte ein aufkommendes Knurren kaum unterdrücken.
Aber wenn er ihr je wieder weh tat, würde ich ihn umbringen, so wahr mir Gott helfe!

Ein Blick auf die Uhr betätigte mir, dass Jacob sich verspätet hatte, obwohl er es angeblich nicht abwarten konnte, Bella wiederzusehen. Ich würde noch verrückt werden, wenn er nicht bald auftauchte. Wenn ich hier noch länger tatenlos rumstehen musste, würden meine Füße mit dem Asphalt verschmelzen. Ich wollte diese Sache einfach nur noch hinter mich bringen. So oder so. Egal mit welchem Ausgang. Ich musste einfach Gewissheit haben, ob ich nach diesem Gespräch noch eine Zukunft mit Bella hatte, oder ob mein Leben dann vorbei war…


In diesem Moment hielt nur wenige Meter von mir entfernt ein Taxi, aus dem ein großer, langhaariger Indianer ausstieg. Er warf dem Fahrer durch das offene Beifahrerfenster achtlos einige Scheine zu, dann drehte er sich um und sein Blick fiel sofort auf Bella. Daran, wie seine finstere Miene von einem strahlenden Lächeln ersetzt wurde, erkannte ich, dass es sich um Jacob Black handeln musste.

Er riss die Tür auf und sprintete geradewegs auf den Tisch zu, an dem die Liebe meines Lebens auf ihn wartete. Bevor die Tür sich hinter ihm schloss, hörte ich, wie er sie mit einem überschwänglichen „Oh, Bellchen“ begrüßte.

Bellchen?
Was für ein alberner Spitzname war das denn? Aber ich kam kaum dazu, mich darüber zu wundern, denn Jacob zog Bella aus ihrem Stuhl hoch und umarmte sie, als wolle er ihr alle Knochen im Leib brechen.
Ich knurrte warnend, auch wenn er es nicht hören konnte.
Dann senkte er den Kopf und presste seine Lippen auf ihre. Ein roter Schleier schob sich vor meine Augen. Wie konnte er es wagen…?

Bevor ich mir dessen bewusst war, hielt ich die Ladentürklinke umklammert. Doch Bella warf mir über Jacobs Schulter einen alarmierten Blick zu und hob die Hand, um mich zu stoppen.
Ich zögerte.
Bella befreite sich aus der Umarmung und setzte sich wieder. Sie schien die Situation im Griff zu haben. Widerwillig löste ich meine Hand und begann eine nervöse Wanderung vor den großen Fenstern des Starbucks, an Stillstehen war jetzt nicht mehr zu denken.

Die beiden saßen seitlich zum Fenster, so dass ich ihre Gesichter sehen konnte. Mit Argusaugen beobachtete ich jede von Jacobs Bewegungen. Sollte er es noch einmal wagen, sich ihr so zu nähern, würde ich mich nicht wieder von Bella zurückhalten lassen…

Ich spürte das Vibrieren meines Telefons, bevor ich das Klingeln hörte. Verärgert über die Störung runzelte ich die Stirn und klappte das Handy auf.
Jasper?

Das überraschte mich, denn ich hatte ihn darüber informiert, dass ich mit Bella das Büro für eine Weile verlassen würde, um etwas Privates zu erledigen, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Kurz entschlossen drückte ich das Gespräch weg und leitete es zur Mobilbox um.
Doch nur wenige Sekunden später klingelte es wieder.

Ich hatte keine andere Chance, als dranzugehen. Jasper wäre niemals so penetrant hartnäckig, wenn es nicht wirklich wichtig wäre.
„Jasper, was ist los? Du weißt doch, dass ich nicht gestört werden will.“

„Ja, weiß ich. Und es tut mir sehr leid, Edward, aber hier hat sich eine… ‚Situation’ ergeben…“

„Eine Situation? Kannst du dich vielleicht auch klarer ausdrücken?“ Immer noch verärgert, versuchte ich gleichzeitig, mich auf Jaspers Stimme zu konzentrieren und Bella weiterhin zu beobachten.

„Tanya Denali ist plötzlich hier aufgetaucht und veranstaltet einen riesigen Wirbel.“

„Tanya? Was will die denn?“, fragte ich überrascht, obwohl mich sofort eine ziemlich genaue Ahnung beschlich, was ihr Besuch zu bedeuten hatte.

„So genau weiß ich das auch nicht. Sie sagt, dass sie das Opfer einer Verleumdung wurde und unbedingt mit dir reden muss, um einige Dinge klarzustellen.“

Ich hörte die unausgesprochenen Fragen in seiner Stimme und seufzte genervt. Jetzt war weder die Zeit noch der Ort, um sich mit Miss Denali auseinanderzusetzen, obwohl ich wusste, dass ich nicht darum herum kommen würde. So, wie ich Tanya einschätzte, war nicht damit zu rechnen gewesen, dass sie ihre Pläne zur Übernahme unserer Firma schon aufgegeben hatte. Und auch mit Bella war sie sicher noch nicht fertig.

„Willst du kurz am Telefon mit ihr sprechen?“, fragte Jasper. Sein hoffnungsvoller Ton brachte mich zum Schmunzeln.

„Nein. Sag ihr, dass ich sie später anrufe, um für morgen ein Treffen mit ihr zu vereinbaren. Ich muss vorher unbedingt mit Emmett und dir reden. Aber nicht am Telefon.“

„Okay. Und entschuldige die Störung.“
Ich hörte deutlich die Neugier in Jaspers Stimme und war ihm dankbar, dass er nicht weiter nachfragte.

„Schon gut, Jasper. Bis später.“

Ich legte auf und widmete meine ganze Aufmerksamkeit wieder dem Paar, das nur durch eine dünne Glasscheibe von mir getrennt zusammen saß.

Jacob strahlte Bella an, als ob sie ihm gerade ein kostbares Geschenk gemacht hätte. Dieser Blick versetzte meinem Herzen einen schmerzhaften Stich.
Was gäbe ich darum, ihre Worte verstehen zu können, statt nur auf meine Vermutungen angewiesen zu sein. Diese Unwissenheit brachte mich noch um.

Wenn dieses Gespräch noch lange dauerte, würde ich sicher einen Graben in den Bürgersteig laufen...

Nach einer schier unendlichen Zeit gab Bella mir endlich das vereinbarte Zeichen, dass sie meine Hilfe brauchte und ich zu ihr kommen sollte. Innerhalb von Sekunden war ich bei ihr und legte meinen Arm beschützend um ihre Schultern.

So, du Bastard. Damit wären die Fronten wohl geklärt!

Jacob hatte die Botschaft eindeutig verstanden. Er sprang auf, ballte die Fäuste und wollte sich auf mich stürzen.

Blitzschnell erhob sich Bella und stellte sich zwischen uns. „Jacob, darf ich dir den Mann vorstellen, dem meine ganze Liebe gehört. Das ist Edward Cullen.“ Dabei schaute mir Bella kurz in die Augen.

Müsste nicht die Welt aus den Angeln gehoben werden, bei den unzähligen Tonnen Gestein, die von meinem Herzen fielen?

„Was hat das zu bedeuten? Du ... ich ... wir...“, stammelte Jacob.

„Ich versuche dir schon die ganze Zeit begreiflich zu machen, dass es kein wir mehr gibt, aber du hast mir einfach nicht zugehört“, sagte Bella beinahe verzweifelt.

Bei dem Blick, den dieser begriffsstutzige Idiot ihr daraufhin zuwarf, fing ich innerlich an zu schnurren.

„Wenn ich dir nichts mehr bedeute, warum wolltest du dich dann mit mir treffen? Nur um mich zu quälen? Um mir deinen neuen Freund unter die Nase zu reiben, weil ich dich damals verlassen habe?“ Jacobs Stimme war von Wort zu Wort lauter geworden, bis er beinahe schrie. Die anderen Gäste warfen uns schon neugierige Blicke zu.

Bellas verletzter Gesichtsausdruck sagte mir, wie sehr sie diese ungerechtfertigten Vorwürfe getroffen hatten, und ich stand kurz davor einzugreifen, hielt mich aber mit Mühe und Not zurück. Dies war ihr Kampf und ich würde sie ihn auf ihre Art ausfechten lassen. Ich würde es zumindest so lange versuchen, wie es mir möglich war.
Aufmunternd verstärkte ich den Griff um ihre Schulter und stellte mich noch dichter hinter sie.

Bella warf mir einen dankbaren Blick zu, lehnte sich kraftschöpfend an mich und atmete kurz durch, bevor sie sich wieder ihrem Ex zuwendete. „Nein. Ich bin hier, um nachzuholen, was wir damals versäumt haben: uns wie Erwachsene voneinander zu trennen. Und wegen Victoria.“

„Victoria?“, wiederholte Jacob verwirrt. „Was hat Victoria damit zu tun?“

Jetzt konnte ich mich nicht länger zurückhalten.
„Deine durchgeknallte Frau verfolgt meine Freundin, weil du nicht die Eier in der Hose hast, ihr die Wahrheit zu sagen, und mit eingezogenem Schwanz vor ihr weggelaufen bist.“

Das war nun wirklich nicht meine übliche Ausdrucksweise, aber ich hatte endgültig die Schnauze voll.
Alles, was ich jetzt wollte, war, mir Bella zu schnappen und mit ihr endlich unser gemeinsames Leben zu beginnen, nachdem sie mit ihrer Vergangenheit abgeschlossen hatte…
Und dort weiterzumachen, wo wir vorhin auf dem Teppich in meinem Büro aufgehört hatten. Vorzugsweise nicht wieder auf dem Fußboden, sondern in meinem Bett ... oder in ihrem ... oder im Fahrstuhl auf dem Weg dorthin ... oder gleich auf dem Rücksitz meines Wagens, falls wir es nicht bis dorthin schaffen sollten...

Meine angenehmen Tagträume wurden von der Realität eingeholt, als Jacob aufkeuchte und meine Aufmerksamkeit damit wieder auf sich lenkte.
„Sie hat dich also auch gefunden?“ Er sah sich ängstlich um.

„Ich bin mir nicht ganz sicher“, gab Bella zu. „Aber ich denke schon, dass sie es ist.“

Wie in einer schlechten Seifenoper stürzte auf dieses Stichwort Victoria auf uns zu und bestätigte damit den Verdacht.

„Ich wusste doch, dass du mich wegen dieser Schlampe verlassen hast“, kreischte sie. „Macht sie wieder ihre storchendünnen Beine für dich breit, weil sie eh kein anderer Mann anfassen würde?“

Ich öffnete den Mund, um Victoria auf mich aufmerksam zu machen, um zu sagen, was ihr offensichtlich schon lange mal gesagt werden musste. Doch bevor ich einen Ton sagen konnte, fuhr Jacob ihr ins Wort.

„Halt den Mund“, fuhr er seine Frau an. „So redest du nicht über einen so wundervollen Menschen wie Bella.“

Sie sog überrascht die Luft ein und starrte Jacob mit offenem Mund an. Es schien das erste Mal zu sein, dass er so mit ihr sprach. Das passte zu dem, was Bella mir über die beiden erzählt hatte.

Allerdings erholte sie sich ziemlich schnell von ihrer Überraschung.
„Bist du wirklich dumm genug, zu ihr zurückzukehren?“, keifte sie weiter. „Wie kannst du dich mit ihr zufrieden geben, wenn du mich haben kannst?“

Bei der Absurdität dieses Vergleichs konnte ich ein ungläubiges Schnauben nicht unterdrücken.

Ich ließ Victoria keine Sekunde lang aus den Augen. Ich traute ihr durchaus zu, dass sie sich plötzlich auf Bella stürzte, aber das würde ich zu verhindern wissen...
Mit ihren flammend roten Haaren und dem garstigen Gesichtsausdruck hatte sie verblüffend große Ähnlichkeit mit einem Drachen. Es hätte mich nicht überrascht, wenn sie jeden Moment angefangen hätte, Feuer zu speien.

„Egal, ob Bella mich zurücknimmt oder nicht“- bei diesen Worten verzog Jacob schmerzerfüllt das Gesicht - „ich werde auf keinen Fall zu dir zurückkommen. Unsere Ehe ist zu Ende. Sie war von Anfang an eine Lüge.“

„Jacob...“, flüsterte sie mit einer süßlichen Kleinmädchen-Stimme, bei der es mir die Fußnägel aufrollte. „Aber ich liebe doch nur dich ... ich habe doch nur dich...“

Jacob schnaubte. „Du hältst mich wohl für sehr blöd, oder? Denkst du, ich weiß nicht, dass du mich immer wieder betrogen hast? Ich weiß von James, Seth und Quil. Und ich möchte nicht wissen, wie viele es noch waren, du Miststück.“

„Und denkst du, dass ich nicht bemerkt hätte, dass du all die Jahre in deinen Träumen immer wieder ihren Namen gemurmelt hast?“, blaffte Victoria zurück, streckte die Hand aus und deutete anklagend auf Bella.

Auch wenn wir noch teilweise Thema ihres Gesprächs waren, schienen die beiden Bellas und meine Anwesenheit vergessen zu haben. Sie waren nur noch daran interessiert, ihre schmutzige Wäsche zu waschen und sich gegenseitig zu verletzen.

Es wurde höchste Zeit, Bella von hier wegzubringen. Ich wollte gerade einen entsprechenden Vorschlag machen, als sich jemand vernehmlich neben uns räusperte. Wir hatten inzwischen so viel Interesse auf uns gezogen, dass der Geschäftsführer sich offensichtlich gezwungen sah, einzugreifen.

„Gibt es hier ein Problem?“, fragte er reserviert.

Ein rascher Blick sagte mir, dass spätestens jetzt die Augen aller Gäste auf uns gerichtet waren. Mir war diese Art von Aufmerksamkeit zutiefst verhasst und Bellas dunkelrotes Gesicht sagte mir, dass es ihr genauso ging.

„Nein, Sir, es ist alles in Ordnung“, versicherte ich dem besorgten Mann. „Wir wollten gerade gehen.“
Ich warf Bella einen fragenden Blick zu. Sie nickte zustimmend. Ich verstärkte den schützenden Druck meines Arms um ihre Schulter und wollte sie zum Ausgang führen.

Das riss Jacob aus seiner Starre, in die er beim Erscheinen des Geschäftsführers verfallen war.

„Bella! Warte! Darf ich dich wieder anrufen? Können wir nicht wenigstens Freunde bleiben?“, sprudelte er hastig hervor.

Bella versteifte sich in meinen Armen und schaute Jacob lange in die Augen. In diesen Sekunden stand ich Höllenqualen aus, während ich darum betete, dass sie die richtige Entscheidung traf.

Schließlich schüttelte sie den Kopf. „Nein, Jacob. Das ist keine gute Idee. Es ist einfach zu viel passiert. Ich bin endgültig mit der Vergangenheit fertig und möchte jetzt nur noch nach vorne schauen.“

Das letzte, was ich von Jacob sah war, wie er seine Frau abschüttelte, die sich tröstend an ihn schmiegen wollte.

Vor der Tür blieb Bella stehen und atmete mehrmals tief durch, bevor sie sich von mir zu meinem Auto führen ließ.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte ich vorsichtig. Ich wollte sie nach dem eben Erlebten nicht zusätzlich belasten, aber ich musste hören, dass es ihr gut ging und dass sie sich sicher war, die richtige Entscheidung getroffen zu haben.

Bella löste sich aus meiner Umarmung und nahm mein Gesicht in beide Hände. Die Verbindung zwischen uns war bereits so stark, dass sie genau wusste, was in mir vorging. Sie zeigte mir in ihrem Blick alles, wonach ich mich so sehr sehnte.

„Ich liebe dich, Edward. Du bist der Mann, bei dem ich fühle, dass ich endlich angekommen bin. Bei dir bin ich zu Hause. Das Treffen war nicht leicht für mich. Es ist ganz und gar nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt habe, aber es hatte auch was Gutes. Ich habe es geschafft, mich endgültig von den Schatten zu lösen, die noch auf mir lagen. Jetzt bin ich frei für eine Zukunft mit dir ... wenn es das ist, was du auch willst.“

Ich zog sie ganz fest in meine Arme und vergrub mein Gesicht tief in ihrem Haar. Ihr Duft umhüllte mich und ich klammerte mich für einen Moment haltlos an sie. Nahm sie mit meinem ganzen Körper wahr und genoss das Gefühl, komplett zu sein. Bevor ich Bella kennenlernte, wusste ich nicht, was mir fehlte.

Aber jetzt konnte und wollte ich nicht mehr ohne sie sein. Nie wieder!
Ich drehte meinen Kopf, um zärtlich an ihrem Ohr zu knabbern und entlockte ihr so ein wohliges Stöhnen. Langsam fuhr ich mit meinen Lippen ihren Unterkiefer lang.

„Ich liebe dich“, brachte ich gerade noch heraus, bevor ich ihren Mund mit meinem bedeckte. Sie erwiderte meinen Kuss erst unschuldig, dann ließ sie meine vortastende Zunge hinein. Sie schmeckte so einzigartig ... vertraut... Als sie mir spielerisch in meine Unterlippe biss, stöhnte ich auf und fiel geradezu plündernd über ihren Mund her.

Als wir uns schließlich nach Luft schnappend voneinander lösten, war meine Welt genau so, wie sie sein sollte.

Ich zuckte erschreckt zusammen, als das Klingeln meines Handys in unsere perfekte Harmonie eindrang.
Automatisch klappte ich es auf und warf einen Blick auf das Display.

„Ich fürchte, wir haben noch etwas zu erledigen, bevor wir mit der Zukunft beginnen können...“

3 Kommentare:

  1. hach süße das Kap ist wunderschön =)

    Danke mach weiter so und ich warte sehnsüchtig auf das nächste

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  2. wirklich wirklich tolles kapitel! du schreibst echt klasse:)! weiter so:) ich bin gespannt auf das nächste kapitel! lg

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  3. schön das sie jake die wahrheit gesagt hat das vic dort auftaucht war zwar nicht schön..aber bella und edward haben es ja fürs erste geschafft
    freu mich schon auf das nächste kap
    :-)

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